Geschichte
Dass es auch in Prag einen Wallfahrtsort von Loreto (“Loreta Praha”) gibt, ist das Werk von Benigna Katharina von Lobkowicz (1594-±1653). Im Jahr 1626 veranlasst diese Frau den Bau des Wallfahrtsortes, nachdem sie auf einer Pilgerreise nach Italien, nach Loreto gereist war und dort das Heilige Haus besucht hatte. Der Architekt ist Giovanni Battista Orsi (1600-1641) aus Wien. Am 3. Juni 1626 beginnt der Bau im Barockstil und dieser wurde zügig realisiert. Durch Kriegsumstände findet die feierliche Einweihung erst am 25. März 1631 statt. Die Segnung erfolgt durch Graf Ernst Adalbert von Harrach (1598-1667), Erzbischof von Prag (1623-1667).
Maria Elisabeth Apolonia Gräfin Kolowrat-Tilly (1629-1665) finanziert die skulpturalen Wände des Heiligen Hauses. Der Italiener Giovanni Bartolomeo Cometa (1620-1687) führt die Arbeiten in den Jahren 1671-1673 aus. Dargestellt sind unter anderem die Geburt Marias, ihre Verlobung, die Verkündigung durch den Engel an Maria, der Besuch Marias bei ihrer Cousine Elisabeth, die Heilige Familie bei der Volkszählung in Bethlehem und der Tod Marias. Er ändert auch die Entwürfe, womit der Geldgeber nicht zufrieden ist. In der westlichen Wand des Heiligen Hauses befindet sich, wie im italienischen Loreto, ein Fenster, und der Legende nach ist der Grund dafür, dass hierdurch der Erzengel Gabriel gekommen ist. Im Inneren ist, wie in Loreto, ein Gitter angebracht. Die Marienstatue ist aus Holz gefertigt und stammt aus der Zeit um 1627. Maria sitzt auf einem Thron. Unter dem Fenster ist die Jahreszahl 1671 eingraviert. Daraus folgt, dass das Heilige Haus in Prag eine getreue Kopie des “Santa Casa” im italienischen Loreto ist.

Die Fassade wurde um 1720 nach einem Entwurf des böhmischen Architekten Kilian Ignaz Dientzenhofer (1689-1751) geschaffen. Der Bau des Heiligtums wurde 1722 abgeschlossen.
Ein Kreuzgang zeigt viele Bilder. Auch ist dort eine Kapelle der Mutter der Schmerzen mit einer gotischen Pietà aus ca. 1450. Das Bildnis wurde 1685 gestiftet und der Stifter hat das Kunstwerk 1640 gekauft. Die Kapelle wurde 1686 gebaut.
Auch hat eine Anna-Kapelle aus dem Jahr 1687 am Kreuzweg einen Platz bekommen. Weiter ist die Darbringung im Tempel wiedergegeben. Auch ist eine Kapelle der Heiligen Familie im Jahr 1691 mit dabei stehenden Engel gebaut worden.

Im Heiligtum steht eine Kirche der Geburt Christi im Ostflügel des Kreuzgangs. Der Hauptaltar, angefertigt in den Jahren 1735-1737, zeigt eine betende Maria des Künstlers Matthias Schönherr (1701-1743).

Von Anfang an kümmern sich die Kapuziner um das Heiligtum. In der Zeit von 1950 bis 1989 war dies jedoch aufgrund der gewaltsamen Besetzung durch die Kommunisten nicht möglich.
Wallfahrtsort
Das Heiligtum von Loretto in Prag ist ein Kulturdenkmal, das barocke Kunst zeigt. Das Heilige Haus ist eine Kopie des Häuschens aus Nazareth, das im italienischen Loretto steht. Die Legende erzählt, dass das Heilige Haus von Maria von Engeln von Nazareth nach italienischem Loretto übertragen wurde. Hier in Prag steht ein nachgebautes Häuschen des Heiligen Hauses aus Loretto. Das Heilige Haus steht im Innenhof und bildet den Mittelpunkt des Heiligtums. Das Haus ist von einem Kreuzgang umgeben.
Der Altar im Heiligen Haus wird durch ein Gitter geschützt. Dahinter steht das Gnadenbild Unserer Lieben Frau von Loreto. Es ist eine Holzreplik des italienischen Bildes. In einer Nische sitzt Maria auf einem Thron. Unter dem Fenster steht die Jahreszahl 1671. Die Fresken im Haus zeigen besondere Ereignisse aus dem Leben Marias. Diese wurden 1795 geschaffen und weichen von den Malereien im italienischen Loreto ab.
Die Verzierung rund um das Heilige Haus zeigt Phasen aus dem Leben Marias, wie Geburt, Verlobung, Engelsbesuch, Besuch bei Elisabeth, Heilige Familie und Tod. Auch die Verlagerung des Heiligen Hauses ist dargestellt.
Hinter dem Heiligen Haus steht eine barocke Kirche zur Geburt Christi mit barockem Rokoko-Innenraum. Der Kreuzgang zeigt viele Kapellen mit Altären und Gemälden von Heiligen.
Das Glockenspiel im Turm des Heiligtums erklingt zu jeder vollen Stunde ein Marienlied. Die 27 Glocken sind im holländischen Amsterdam gegossen. Diese Tradition stammt aus einer Legende von 1694. Eine Witwe aus einem nahegelegenen Armenviertel nimmt 27 Kinder an. Dann kommt die Pest und alle Kinder sterben daran. Jedes Mal, wenn ein Kind stirbt, lässt die Frau für eine Silbermünze die Sterbeglocken läuten. Als die Kinder an der Pest gestorben sind, stirbt auch die Witwe und auch ihr Geld ist dann aufgebraucht. Unsere Liebe Frau von Loreto lässt dann Engel singen und das Glockenspiel geht jede Stunde weiter mit einem Marienlied.
Das Heiligtum besitzt zwei barocke Brunnen, die reich verziert sind und um 1740 aufgestellt wurden.
In der Geburtskirche Christi gibt es eine Krypta mit Fresken, die erst 2011 entdeckt wurde. Sie ist nicht zugänglich. Jedoch wird in dem letzten Raum des Kreuzgangs die Krypta in 3D-Form projiziert. Die Fresken zeigen das Sterben und die Auferstehung Christi und wurden 1664 angebracht.
Die Schatzkammer des Heiligtums wurde 1962 eröffnet und befindet sich im ersten Stock des Kreuzgangs. Dort sind Gemälde, Skulpturen, Juwelen und Monstranzen zu sehen. Das Prunkstück ist eine silberne Monstranz mit 6222 Diamanten, die in den Jahren 1696-1699 in Wien hergestellt wurde. Der Entwurf stammt von Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656-1723). Viele Danksagungen an Maria sind ebenfalls dort ausgestellt.
Das Haus von Loreto hat auch ein Geschäft mit Andenken.
Die Loretokapelle ist nicht nur die älteste Loretokapelle in Böhmen, sondern auch der bekannteste und meistbesuchte Ort.
Die Kapelle des Heiligen Hauses von Loreto ist täglich geöffnet.
ERHÄLTLICHKEIT
Das Loreto-Heiligtum in Prag liegt am Loreto-Platz, hinter der Prager Burg.
Adresse: Loreta Prag, Loretánské náměstí 7, 11800 Prag 1.
Auf www.loreta.cz sind aktuelle Informationen zu finden.
ERLEBNIS
Nun, nachdem ich das Auto im Zentrum von Prag beim Hotel geparkt und den Koffer aufs Zimmer gebracht habe, gehe ich zum Loretto-Heiligtum. Ich überquere den Fluss, der die Stadt in zwei Gebiete trennt. Der Weg steigt an, nach etwa zwei Kilometern Fußweg komme ich zum Prager Loretto-Heiligtum. Sehen Sie die beeindruckende, cremefarbene Fassade mit rechts den Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters, wo sich jetzt ein Hotel befindet. Auch fallen mir die grünen Turmspitzen auf. Ich gehe hinein und als erstes besuche ich das Heilige Haus (Santa Casa).
Das Innere des Heiligen Hauses erinnert mich sofort an das im italienischen Loretto. Es wurde viel Mühe darauf verwendet, hier eine getreue Kopie zu realisieren. Der Besucher gerät durch die alten Mauern, Fresken und den Marienaltar in eine besondere Atmosphäre. Ich stehe vor dem silbernen Altar und der hölzernen Marienstatue. Besonders schön finde ich die gemalten Lebensphasen Marias. Für viele ist es hier näher, “Loretto” zu erleben als in Italien. Das Heilige Haus wurde den Menschen aus Tschechien und den Nachbarländern gebracht.

Nachdem ich die Schatzkammer im ersten Stock des Kreuzgangs besuche, wo sich unter anderem Reliquien und Monstranzen befinden. Hier gibt es noch mehr Kostbarkeiten wie Messgewänder, Mitra und Kruzifixe. Das Glanzstück der Sammlung ist “Die Prager Sonne” mit über 6000 Diamanten. Das wertvolle Kunstwerk wurde in Wien in den Jahren 1696-1699 angefertigt. Hier gibt es viel zu lesen über die Vergangenheit dieses Heiligtums. Hier hängt auch ein Porträt einer einflussreichen Frau. Sie hat viel zur Verwirklichung dieses Heiligtums beigetragen.
Der Kreuzgang des Heiligtums zeigt den Besuchern viel, wie viele Heiligenstatuen und Fresken. Was für Ausdrucksformen besonderer Kunst! Die Gewölbe sind vom deutschen Künstler Felix Anton Scheffler (1701-1760) bemalt worden. Ein umfangreicher “Maria-Atlas” mit vielen Darstellungen von Marienwallfahrtsorten ist hoch an den Mauern des Kreuzgangs angebracht. Ich erkenne unter anderem eine Malerei von Zichem (Scherpenheuvel) mit dem Baum, die in der Zeit von 1687-1693 angebracht worden ist.
Der Besuch dieses Heiligtums hat mich sehr beeindruckt. Es fühlt sich wie ein großes Geschenk an, hier sein zu dürfen.
UMGEBUNG
In Prag gibt es viel zu besichtigen, darunter eine Kathedrale und zwei Kirchen, die dem Heiligen Nikolaus gewidmet sind.
Eine der ältesten Kirchen in Prag ist die St.-Gallus-Kirche, erbaut um 1280 und im 17. Jahrhundert umgebaut. Das Innere zeigt im Mittelschiff Gemälde, die Szenen aus dem Marienleben darstellen.
Adresse: Havelská 539/24, 11000 Altstadt.
Das Heiligtum von Príbram liegt 60 km südwestlich von Prag und 91 km westlich der Hauptstadt liegt die Stadt Pilsen. Für den Besuch der Großstadt Brünn sind es 208 km nach Südosten zu gehen.
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