Maria-
Zimmer

Wallfahrtsorte in Österreich – Mariahilfberg

Geschichte

Im Jahre 1661 eilt Maria einem schwer kranken Dorfschmied zu Hilfe und heilt den Mann. Dieser Schmied heißt Sebastian Schlager (+1698) und er hat insgesamt 8 Erscheinungen von Maria. Diese finden auf dem Hügel am Rande des Ortes Gutenstein statt. Der Mann erhält von Unserer Lieben Frau ihr Abbild auf einem Tuch. Er erhält von Maria den Auftrag, sie zu ehren, indem ein Abbild angefertigt wird. Anschließend geht der Mann auf Pilgerfahrt nach Mariazell und kommt zurück mit einem Abbild, gemalt auf Blech. Das Abbild ist eine Kopie des Marienbildes in Mariazell. Er findet, dass es die Erscheinung treu wiedergibt. Der Schmied platziert das Abbild gegen einen Baum auf dem Berg mit dem damaligen Namen “Buchschach”. So entsteht das Heiligtum Mariahilfberg.

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Mariahilfberg mit Wallfahrtskirche und Kloster

Im Jahr 1664 erscheinen mehrmals Lichterscheinungen und auch eine weiße Taube, die für den Heiligen Geist gehalten wird. Vier Menschen aus Gutenstein sehen dies auf dem Berg. Bei den Erscheinungen wird die “Madonna von Buchschach” angerufen. Diese Vorfälle steigern das Interesse an dem Ort. Im Jahr 1665 geschieht ein Wunder, als ein Mann aus Gutenstein Maria auf dem Berg anruft und von seiner Armlähmung geheilt wird. In diesem Jahr findet die erste große Wallfahrt zum Mariahilfberg statt. Danach kommt eine Holzkapelle mit dem Marienbildnis darin. An dieser Stelle wird drei Jahre später die Wallfahrtskirche erbaut. Wege werden angelegt, um Pilger zum Wallfahrtsort auf dem Berg zu bringen.

Die Heilung des Schmieds, die Lichtphänomene und der Zustrom von Pilgern führen zu einer kirchlichen Untersuchung. Daraus folgt, dass die Verehrung Marias zugelassen wird und es gibt die Erlaubnis, eine Kirche zu bauen.

Durch das Versprechen nach einem Jagdunfall lässt Johann Balthasar II. (1626-1681), der Herrscher von Gutenstein, Graf von Hoyos, auf dem Gelände, das der Familie Hoyos seit dem Ende des 16. Jahrhunderts gehört, eine Kirche bauen. 1668 ist die Wallfahrtskirche bereit, Pilger zu empfangen. Das Überleben des Jagdunfalls wird als Wunder angesehen. 1668 wird dies von Clemens IX., Papst von 1667 bis 1669 (Giulio Rospigliosi, 1600-1669), bestätigt. Das Gnadenbild wird als wundersam angesehen. Danach ereignen sich noch viele Gebetserhörungen. Der Bau des an die Kirche angrenzenden Klosters findet in einer schwierigen Zeit statt, denn 1679 gibt es Überschwemmungen und die Pest wütet. Diese sehr ansteckende Epidemie fordert viele Opfer. 1683 gibt es wieder Rückschläge, da die Tataren die Umgebung bedrohen.

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eine Abbildung aus dem Jahr 1980 in der Vorderfront der Wallfahrtskirche Mariahilfberg “Keine Stunde ohne Wind”

Auf Empfehlung von Kaiser Leopold I. (1640-1705) werden Serviten als Hüter des Wallfahrtsortes eingesetzt. Am 25. Mai 1688 wird die Kirche von Leopold Karl von Kollonitisch (1631-1707), Kardinal von 1686 bis 1707, geweiht. Er widmet die Kirche der hilfsbereiten Maria (“Mariahilf”). Im Jahr 1708 zerstört ein Brand die Kirche, aber das angrenzende Kloster bleibt von zerstörendem Feuer verschont.

Auf Initiative von Reichsgraf Philipp Josef Georg Innocenz Hoyos-Sprinzenstein (1695-1762) und seiner Gemahlin Gräfin Maria Magdalena Elisabeth Christina von Hohenfeld (1695-1760) im Jahr 1710 entsteht eine neue Kirche. Sie sind die großzügigen Spender zur Realisierung des Baus und das Paar hat sich in ihren Schutzheiligen Philippus Neri und Maria Magdalena verewigt. Das neue Gebäude wird teilweise auf den unbeschädigten Außenmauern der Kirche errichtet und ist größer als das zerstörte Gotteshaus. 1724 sind die Bauarbeiten abgeschlossen und am 18. Mai 1727 erfolgt die Weihe durch Graf Franz Alois von Lamberg (1692-1732), Weihbischof von Passau (1725-1732).

Der Wallfahrtsort macht Gutenstein über die Landesgrenzen hinaus berühmt. Hoher Besuch gibt es 1670 von Leopold I. (Leopold Ignatius Joseph Balthasar Felician, 1640-1705), römisch-deutscher König und Kaiser (1658-1705), König von Ungarn (1657-1705) und König von Böhmen (1657-1705). Er kommt mit seiner Gemahlin Margaretha Theresa von Spanien (1651-1673) nach Mariahilfberg.
Andere hohe Gäste sind im Jahr 1801 Franz Josef Karl von Habsburg-Lothringen (1768-1835), der Kaiser Franz II. von Österreich (1804-1835) ist, des Heiligen Römischen Reiches (1792-1806), König von Ungarn und von Böhmen (1792-1835) und seine Gemahlin Maria Theresia Karolina Josepha von Bourbon-Sizilien (1772-1807). Auch kommen in jenem Jahr Kronprinz Ferdinand (1793-1875), der spätere Kaiser von Österreich (1835-1848) und Maria Louise Leopoldina Franziska Theresia Josepha Lucia (1791-1847), die spätere Kaiserin von Frankreich (1810-1815).

Im Jahr 1820 reiste der Komponist Franz Peter Schubert (1797-1828) als Pilger zum Mariahilfberg.

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Votivgabe in der Wallfahrtskirche von Mariahilfberg

Ferdinand Raimund (1790-1836), österreichischer Schriftsteller von Märchen und volkstümlichen Theaterstücken, ist mehrmals in Mariahilfberg zu Besuch gewesen und hat in der Nähe in einer Villa gewohnt.

Im Jahr 1852 fand der Besuch von Franz Joseph Karl (1830-1916), Kaiser von Österreich (1848-1916), statt.

Im Jahr 1868 wurden 14 steinerne Kapellen auf dem Gelände des Mariahilfberges erbaut, die den Kreuzweg darstellen. Diese kleinen Gebäude wurden 1998 renoviert.

Mitte des 20. Jahrhunderts wird eine Autobahn in der Nähe des Mariahilfbergs gebaut. Diese Straße durchquert das Gelände des Wallfahrtsortes.

Wallfahrtsort

Nicht allzu weit von Wien liegt der Ort Gutenstein und dort befindet sich Mariahilfberg in der Nähe. Das Kloster und die Kirche von Mariahilfberg stehen in den Wäldern auf einem Hügel. Die Kirche ist 38 Meter lang, 20 Meter breit und das Kirchenschiff erreicht eine Höhe von 10 Metern.

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Innenraum der Wallfahrtskirche zu Mariahilfberg

Der Hauptaltar mit barocker Aufmachung aus dem Jahr 1766 zeigt das Kunstwerk der Himmlischen Königin Maria. Die Abbildungen der Eltern Marias weisen auf das Gnadenbild hin. In diesem Altar wird ein Stück vom Baum aufbewahrt, an dem früher das Gnadenbild gehangen hat. In einer kleinen Seitenkapelle befindet sich ein Abbild der Unbefleckten Empfängnis mit zwei Engeln aus dem Jahr 1720.

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Die Kapelle der Schmerzhaften Mutter in der Wallfahrtskirche zu Mariahilfberg

Auf dem Altar der Schmerzensmutter hängt ein Gemälde mit der Darstellung der Sieben Schmerzen Mariens, wobei sie beiderseits von einem Engel begleitet wird. Auch eine Pietà ist ein besonderes Kunstwerk.

Die kleinen Holzhäuschen, in denen früher Devotionalien verkauft wurden, sehen verfallen aus. Dies gilt nicht für eine Kapelle von Maria mit Kind.

Ein Kreuzweg wurde im angrenzenden Wald im Jahre 1763 angelegt. Der Mariahilfberg hat einst zu den größten Wallfahrtsorten Österreichs gehört.

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Kapelle mit Maria und Kind im Bereich der Wallfahrtskirche Mariahilfberg
ERHÄLTLICHKEIT

Die Adresse des Wallfahrtsortes Mariahilfberg ist
Servitenkloster, Mariahilfberg 13, 2770 Gutenstein.

Auf www.mariahilfberg.at sind aktuelle Informationen zu finden.

ERLEBNIS

Sofort nach meiner Ankunft gehe ich zur Wallfahrtskirche und vor dem Gebäude steht Maria auf einem hohen Sockel, um die Besucher willkommen zu heißen. Nach dieser Begrüßung gehe ich in die Kirche und sehe, dass in der Fassade eine Sonnenuhr mit dem Bildnis der Schmerzensmutter angebracht ist.

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Marienstatue auf hohem Sockel für die Wallfahrtskirche Mariahilfberg.

Beim Betreten der Wallfahrtskirche zieht der Hochaltar meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich trete vor und sehe das Marienbild bei dem Baum. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf die Entstehung dieses Wallfahrtsortes.

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Marienbild mit dem Baum in der Wallfahrtskirche Mariahilfberg

In der Kirche sind viele Votivtafeln zu sehen und auch eine Kapelle der Schmerzhaften Mutter.

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Pietà in der Wallfahrtskirche zu Mariahilfberg

Nach dem Besuch der Kirche mache ich einen Spaziergang und folge einem Weg im angrenzenden, dunklen Wald. Auf Informationstafeln lese ich, wie es früher mit Kapellen und einer Grotte war. Nun stehen hier einige verfallene Gebäude. Ich bekomme das Gefühl, dass ich hier in der fernen Vergangenheit verweile ...

In der Nähe der Kirche befindet sich ein Restaurant und mit dem Wirt komme ich ins Gespräch über den Wallfahrtsort. Das Interesse ist in den letzten Jahren merklich geringer als zuvor. Heutzutage kommen vor allem am Samstag und Sonntag noch Besucher, aber an Wochentagen ist es ziemlich ruhig. Die meisten Besucher kommen aus der Region Wien. Die Stände mit Devotionalien sind geschlossen, denn die Zeiten haben sich geändert und der Umsatz ist gesunken. Es lohnt sich dann nicht mehr, hier ein Lädchen offen zu halten. Im Kloster leben noch drei alte Patres. Der Gastwirt weiß nicht, was passieren wird, wenn die drei Geistlichen nicht mehr da sind.

UMGEBUNG

Die Hauptstadt Wien liegt 70 km östlich vom Mariahilfberg und die Stadt Sankt Pölten liegt 70 km nördlicher. Die Wallfahrtsstätte Mariazell ist 65 km westlich vom Mariahilfberg zu besuchen und der Wallfahrtsort Pöllauberg liegt 126 km südlicher von Gutenstein.

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Maria traf Kind in der “Franziskanerkirche” in Sankt Pölten

In Sankt Pölten stehen viele, alte Gebäude, wie der Dom an der Domplatz und die Franziskanerkirche am Rathausplatz. Die Dompfarre (Kathedralgemeinde) hat eine lange Geschichte, die im 7. Jahrhundert mit einem Benediktinerkloster beginnt; dem ältesten Kloster in Niederösterreich. Im Jahr 1065 erfolgte die erste Weihe der Kollegiatkirche Mariä Himmelfahrt. Im Jahr 1150 wird die Basilika geweiht. Ende des 13. Jahrhunderts kam es zu einem großen Umbau, um den romanischen Stil zu etablieren und die Rosenkranzkapelle zu errichten, die im Jahr 2005 restauriert wurde. Im 17. Jahrhundert fand der Bau des frühbarocken Hochaltars mit der Aufstellung eines Gemäldes von Mariä Himmelfahrt des produktiven Tobias Rock/Poch/Pockh (1609-1683) statt. Im 18. Jahrhundert kam im Dom der Sakramentsaltar der Jungfrau Maria hinzu. Des Weiteren ist das Museum am Dom aus dem Jahr 1888 zu besichtigen; das älteste Diözesanmuseum Österreichs.

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Fresko im Dom zu Sankt Pölten

Eine auffallend hohe, barocke Mariensäule steht auf dem Herrenplatz im Zentrum von Sant Pölten.

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Mariensäule (Mariensäule) am Herrenplatz in Sankt Pölten

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Erste Veröffentlichungsdatum: 21. Dezember 2023
Datum letzte Änderung: 12. März 2026
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