Geschichte
Die Entstehung des Wallfahrtsortes … Im Jahr 1435 findet ein Schafhirte eine steinerne Marienstatue in einer hohlen Eiche. Der Mann nimmt die Statue mit nach Hause. Am nächsten Morgen ist die Statue verschwunden und der Hirte macht sich auf die Suche nach ihr. Er findet sie wieder in der Eiche. Dies wiederholt sich noch zweimal. Als der Hirte die Statue zum dritten Mal findet, wird er wütend und will das Gefundene zerschlagen. Plötzlich hört der Mann eine himmlische Stimme und wird von seiner vorgenommenen Tat abgehalten. Der Schafhirte erschrickt so von der Stimme, dass er vor der Statue niederfällt und Maria um Vergebung bittet. Danach baut der Hirte für die Statue ein Kapellchen an den Baum. Er kniet davor und betet. Die Statue im Baum steht an der Straße in Richtung Baden-Baden, Speyer und Heidelberg. Viele Passanten bleiben bei der Statue stehen und legen bei Maria ihre Nöte und Sorgen nieder. Kranke erfahren Besserung und im Jahr 1473 entsteht ein weiteres Kapellchen, nahe der Eiche, in der die Statue gefunden wurde. Dafür sorgt Matthias (Freiherr) von Rammung (1417-1478), Bischof von Speyer (1464-1478). Die Marienstatue steht später in der heutigen Wallfahrtskirche. Die Reste dieses Kapellchens sind noch im Chorraum der Wallfahrtskirche zu sehen. Ab dem Jahr 1487 finden Gottesdienste in der Kapelle statt.
Im Jahr 1616 wird ein Plan für ein Kapuzinerkloster bei der Kirche gemacht. Dies ist eine Initiative von Fürstbischof Philipp Christoph von Sötern (1567-1652), Bischof von Trier (1610-1623) und später Erzbischof von Trier (1623-1652). Im Jahr 1639 wird der Plan Wirklichkeit. Der Grundstein wird von Kaspar von Baumberger (+1651), kaiserlicher Hauptmann und Kommandant, gelegt, der die französischen Truppen aus Philippsburg vertreibt. Er finanziert auch mit die Kapelle und tut dies aus Dankbarkeit für die Hilfe Mariens bei der Niederlage der französischen Armee. Im Jahr 1639 ist das Kloster gebaut.
Martin von Cochem (Geburtsname Martin Linius, 1634-1712) ist ein deutscher, katholischer Priester, Kapuziner, Theologe und Schriftsteller. Im Jahr 1712 schrieb er den Text des Marienliedes ”Die geistliche Rose” (“Ein schöne Ros aus heilgem Land blüht in dem Paradiese”). Er starb in Waghäusel und in dieser Stadt sind das Gymnasium und die Pfarrei nach ihm benannt.
Im Jahr 1682/1683 ist die Kirche an der Reihe für eine Erweiterung. Im Jahr 1690 kommen die französischen Truppen und die Patres müssen das Kloster verlassen. Im Jahr 1690 dürfen die Patres zurückkommen. In den Jahren 1776-1778 wird die Kirche erneut erweitert. Über dem Eingang der Kirche kommt eine Abbildung von Maria mit Kind im Spätbarockstil, gemacht von Joachim Günther (1720-1789).
Im Wallfahrtsort Waghäusel kommen viele zu Besuch, darunter Adelige, Feldherren und Geistliche. Hochrangige Gäste sind unter anderem:
-Friedrich V. (1596-1632), Pfalzgraf, Kurfürst (1610-1623) und König von Böhmen (1619-1620).
-Eugen Franz von Savoyen-Carignan, auch Prinz Eugen genannt (1663-1736), Feldherr.
Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655-1707), Markgraf und Feldherr. Er triumphiert über die Türken in der Schlacht bei Slankamen (1691) und kommt dreimal nach Wiesenthal. Auch seine Gemahlin Franziska Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg (1675-1733) besucht den Wallfahrtsort.
-Joseph I. (1678-1711), Habsburger König von Österreich, König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, auch König von Böhmen und Ungarn (1705-1711).
Ein großer Verehrer von Maria in Waghäusel ist Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim (1676-1743), Graf (1701-1743), Kardinal (1715-1743), Fürstbischof von Speyer (1721-1743) und von Konstanz (1740-1743). Er ist auch Minister des Heiligen Römischen Reiches (1708-1712). Er ergreift die Initiative für den Bau der Eremitage und lässt diese in der Nähe der Kirche verwirklichen. Der Architekt ist Michael Ludwig Rohrer (1683-1732). In der Zeit von 1724 bis 1729 wird der barocke Bau realisiert. Es soll ein Ort der Ruhe und Besinnung sein. Gleichzeitig ist es ein Jagdschloss.

Franz Christoph von Hutten (1706-1770), Fürstbischof von Speyer (1744-1770) und Kardinal (1761-1770) wünscht, dass sein Herz nach seinem Tod nahe dem Marienaltar beigesetzt wird. Dies geschieht wenige Tage nach seinem Tod. Die Urne bleibt bei dem Brand von 1920 erhalten.
Im 20. Jahrhundert erlebt der Wallfahrtsort große Rückschläge. Im November 1920 brennen die Kirche und ein Teil des Klosters nieder. Die Wiederherstellung findet 1921 statt. 1930 kommt ein neuer Gnadenaltar in die Kirche. Er ist vom Bildhauer Emil Sutor (1888-1974) geschaffen, der auch für den Josefaltar sorgt.
Im Jahr 1944 wird das Gebäude durch Kriegsgewalt beschädigt.
Die Glasfenster wurden 1960 von Valentin Peter Feuerstein (1917-1999) entworfen. 1997 geht die Eremitage in den Besitz der Stadt Waghäusel über.
Die Bilder der Szene vom Ölberg wurden 1890 aus Holz gefertigt. 1998 wird das Ganze restauriert und findet einen Platz neben der Kirche.
Im Jahr 1999 hat die Kongregation der “Brüder des gemeinsamen Lebens” die Organisation des Wallfahrtsortes in die Hand genommen.
Die Kirche wird renoviert in 2002/2003.
Wallfahrtsort
Die Wallfahrtskirche steht am Stadtrand von Waghäusel, in der Nähe der Bahnstrecke Mannheim – Stuttgart und nicht weit von einem Industriegebiet entfernt. Die Stadt zählt etwa 22.000 Einwohner.
Die Wallfahrtskirche zeigt nicht nur das Gnadenbild, sondern auch Bilder wie das der Muttergottes von Fatima, umringt von Blumen.
Die Gnadenbild ist 40 cm hoch und ist gemacht von Kalkstein und es ist wahrscheinlich gemacht um 1430.
Viele Votivgaben drücken Dankbarkeit gegenüber Maria aus. Diese sind zum Teil in einer Nische zusammengetragen worden.
Neben der Kirche steht eine große Darstellung dessen, was sich auf dem Ölberg zugetragen hat. Große Statuen beeindrucken die Besucher.
Die Wallfahrtskirche ist täglich geöffnet.
ERHÄLTLICHKEIT
Der Wallfahrtsort in Waghäusel liegt im Bundesland Baden-Württemberg, im Südwesten Deutschlands.
Die Wallfahrtskirche heißt “Mutter mit dem gütigen Herzen” und auf Niederländisch ist dies “Moeder met het goede Hart”.
Die Adresse der Marienkirche ist:
Bischof von Rammung Straße 2, 68753 Waghäusel.
Aktuelle Informationen sind unter www.kloster-waghaeusel.de zu finden.
ERLEBNIS
Über dem Eingang der Kirche sehe ich eine kleine Statue in einer Nische. Maria und ihr Kind heißen die Besucher willkommen.
In der Kirche bewundere ich das Gnadenbild. Auch hier ist es Zeit zu beten. Anschließend mache ich einen Rundgang durch die Kirche und sehe schöne Glasfenster, Bilder und Malereien.
Was später bemerke ich den Gedenkstein von Franz Christoph von Hutten. Sein Herz wird hier bewahrt und die Urne mit Herz durchsteht die verheerende Brand im Jahr 1920. Die Kraft des Herzens, denke ich dann.
Nach dem Kirchgang komme ich zur Szene des Ölberges. Was für große Bilder! Etwas weiter sehe ich eine kleine Kapelle mit der Jungfrau der Armen und wähne mich für einen Moment im wallonischen Banneux.
Anschließend ist es eine Wanderung über das ausgedehnte Anwesen und ich komme zur Eremitage. Was ist das für ein beeindruckendes Bauwerk. Die Zeit der Besinnung und auf die Jagd zu gehen, liegt in der Vergangenheit. Ein anderes Schicksal hat dafür gesorgt, dass das Gebäude erhalten geblieben ist.
Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich nach dem Text des Marienliedes suchen, das Martin von Cochem 1712 gemacht hat. Der erste Teil des Liedes lautet:
“Es blüht den Engeln wohlbekannt, in Gottes Paradies, die schönste Ros’ aus heiligem Land von Farbe und Duft so süß. Sie übertrifft der Sonne Glanz, ihr Schein durchdringt die Wolken ganz auf wunderbare Weise.
UMGEBUNG
Von Speyer nach Waghäusel sind es 18 km in südliche Richtung zu gehen. Von Bruchsal aus sind es 24 km nach Norden sich zu begeben, um in Waghäusel anzukommen. Von Karlsruhe nach Waghäusel sind es 35 km nach Norden zu gehen. Um von Trier nach Waghäusel zu kommen sind es 208 km in südöstliche Richtung zurückzulegen.
Veröffentlicht: 6. Juni 2024
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