Bei Verlust innehalten …
Beim Älterwerden denke ich öfter an Verlust. In den letzten Jahren teile ich auch mehr Verlustgeschichten. Tatsächlich fühle ich mich wie ein Mann mit viel Besitz, denn wenn ich viel habe, kann ich viel verlieren. Verlust ist dann mit Besitz verbunden. Dieser Verlust kann die Arbeit durch Entlassung sein, Geld nach einer fehlgeschlagenen Investition, ein Zuhause bei einer Scheidung und ein Freund durch Tod. Verlust erfährt jemand auch, wenn er wegen Alter, Krankheit oder einem Unfall etwas nicht mehr kann.
Meine Erfahrung ist, dass sich Verlust erträglicher anfühlt, wenn er geteilt wird. Dieses Teilen mache ich beim Beten zu Maria und beim Sprechen über Verlust mit Freunden. Ich teile nur, wenn es sich für mich vertraut anfühlt. Das Teilen von Verlustgefühlen hilft mir nicht nur, das Verlorene zu bewältigen, sondern auch, indem ich ihm einen Platz in meinem Leben gebe. Beim Teilen möchte ich keine Botschaft überbringen und auch keine Fragen stellen, sondern gerade meine Erfahrungen erzählen. Der Moment muss dafür da sein und dazu gehört zuerst das Zuhören auf den Kontext, in dem ich mich befinde. So lasse ich den anderen kurz in mein Leben treten und das geschieht auch umgekehrt.
Erlebnisse im Verlies mit Maria teile ich zum Beispiel in einem Kirchengebäude, beim Gehen und zu Hause stehend, kniend oder sitzend vor einer Abbildung von Unserer Lieben Frau. In Stille mit Ihr zu teilen, heilt.
Von dem Verlorenen kommen nur Erinnerungen zurück. Das Teilen von Verlusterfahrungen macht die Gedanken erträglicher. Beim Verlust verweilen …
