Seit Jahrhunderten werden Reliquien verehrt. Es ist eine alte Tradition unter Gläubigen, Überreste eines Heiligen im Gebet zu hegen. Besonders in Zeiten der Not, wie Krieg, Hungersnot, Überschwemmungen oder Seuchen geraten Reliquien mehr in den Fokus.
Reliquien gibt es in Rängen. Ein Stück Knochen eines Heiligen, auch wenn es nur ein Splitter ist, gehört zur höchsten Ordnung. Niedriger in Bedeutung stehen zum Beispiel winzige Staubpartikel von Kleidung und Gebrauchsgegenständen eines Heiligen.
Mit einer Glaubensüberzeugung ein Relikt zu verehren, bedeutet, das Böse abwenden zu wollen, ein Wunder wirken zu lassen, jemanden zu heilen, den Menschen Mut zu machen, sie zu schützen und sich inspirieren zu lassen. Eine übernatürliche Kraft eines Heiligen kann für eine Umwälzung sorgen. Dadurch geben Gläubige Reliquien Bedeutung und diese bieten ihnen Halt. So habe ich monatelang der Ankunft von Reliquien der Heiligen Bernadette Soubirous aus Lourdes nach Belgien und in die Niederlande entgegengefiebert. Jedoch konnte dies leider durch den weltweiten Kampf gegen das Coronavirus nicht stattfinden.
Wir haben seit Wochen mit einer schrecklichen Pandemie zu kämpfen; dem sehr aktiven Coronavirus. Es wird viel für Kranke gebetet, bei denen das Virus festgestellt wurde. Menschen beten auch, dass das Virus sie nicht heimsucht. Sie beten auch für die vielen Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und für diejenigen, die dort hart arbeiten, um anderen zu helfen. Dann wird an einer Reliquie gebetet oder in deren Abwesenheit an einer Statue oder Kerze.
Durch das allgegenwärtige wuchernde Virus spüre ich die große Zerbrechlichkeit der Existenz. Ich zünde eine Kerze an, schaue auf das Bild der Maria und bete.
