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Geschichte
Im späten Mittelalter ist hier bereits ein marianisches Wallfahrtsort. 1296 ist von “Sanctam Mariam” die Rede und 1381 steht in einer Urkunde “Sand Marein”. Um 1500 wurde bei einem Bauernhof eine Holzkapelle errichtet. 1619 geht ein neben der Kapelle stehender Bauernhof in Flammen auf. Dabei fallen brennende Äste von nahe stehenden Bäumen auf das Dach der Kapelle, ohne diese in Brand zu stecken. Ein dicht neben der Kapelle stehender Quittenapfelbaum, mit Birnen- und Beerengeschmack, ist durch das Feuer des Bauernhofs vollständig versengt. Brennende Äste fallen auf die Kapelle, doch diese gerät nicht in Brand. Zur großen Überraschung beginnen die Äste einige Monate später wieder zu blühen und es kommen besonders schöne Früchte daran.
Elisabeth Renata von Lothringen (1574-1635), Ehefrau und Nichte Maximilians I. von Bayern (1573-1651), Kurfürst von Bayern (1597-1651), ist eine Fürstin des Heiligen Römischen Reiches. Sie erhält Früchte vom wundersamen Baum als Geschenk und sagt, sie habe noch nie so gut schmeckende Früchte gegessen.
Die hölzerne Kapelle, die wie ein Wunder nicht durch das Feuer zerstört wurde, ist vollständig erhalten und darüber kommt eine Kirche, wie es auch in Assisi und Loreto geschehen ist. Es ist die älteste Holzkapelle Deutschlands und steht dort schon um 1500. Der erste Stein der Kirche wird 1629, 10 Jahre nach dem Brand, von Michael Kirchberger (+1635), Abt des Klosters in Aldersbach (1612-1635), gelegt. Der Entwurf der Kirche ist von Isaak Bader/Baader (+1635). 1631 kommt das Gnadenbild in die Kirche.
Die alte Kapelle steht mitten im Chorraum und bildet den zentralen Teil der Wallfahrtskirche.
Bilder vom Altar, Retabel der Wallfahrtskirche und das Gnadenbild sind 1640 von Jakob Christoph Bendl (±1585-±1655) geschaffen worden. Die Kanzel fertigte er 1647 und 1651 das Schreinwerk für die Orgel. Dabei asistiert sein Sohn Johann Christoph Bendl (1624-1690). Als Rückwand der Kanzel hängt ein Gemälde aus dem Jahr 1633, das als Geschenk empfangen wurde. Das Kunstwerk ist eine Kopie des Passauer Maria-Hilf-Bildes. Hoch oben auf der Kanzel ist eine stehende, gekrönte Maria mit Kind platziert.
Unter der Orgel sind Ölfarbenmalereien aus dem Jahr 1647 angebracht. Diese handeln von Momenten aus dem Leben Marias, einschließlich der Geburt Marias und der Aufnahme Marias in den Himmel.
Im Jahre 1690 erfolgt der erste Spatenstich des Priesterhauses durch Joseph Christian (Engelbert) Fischer/Vischer (1647-1723), Abt des Klosters Aldersbach (1683-1705).
Die 14 Stationen des Kreuzwegs sind aus dem 19. Jahrhundert.
Am 2. Oktober 2011 wurde dasGnadenbild von Wilhelm Schraml (1935-2021), Bischof von Passau (2001-2014), gekrönt.
Restaurierungsarbeiten wurden im 18., 19. und 20. Jahrhundert häufig durchgeführt. Im ersten Quartal des 21. Jahrhunderts wird Geld für notwendige Reparaturen an der Kirche benötigt.
Es gibt einen Pilgerverein in Sammarei, dessen Mitglied jeder Pilger werden kann.
Wallfahrtsort
Sammarei ist ein Wallfahrtsort bei Altötting, der größte in Bayern. Über einer alten, intakten Holzkapelle wurde 1631 eine Kirche errichtet, wie es auch in Assisi und Loreto geschehen ist. Sammarei wird in Bayern daher auch das “Bayerische Assisi” und das “Deutsche Loreto” genannt. Die Holzkapelle ist nicht immer für Besucher geöffnet, und dann sind zwei Gitter verschlossen. Wenn diese Gitter offen sind, kann ein Pilger gebückt eintreten. An den Wänden der Kapelle außen und innen sowie im Umgang des Chores sind etwa 1300 Ex voto-Tafeln angebracht. Die ältesten Darstellungen stammen aus der Bauzeit der Kapelle. Über den Ex voto-Tafeln befinden sich seltene Malereien mit Texten, die unter anderem Maria als Apothekerin, Gnadenbrunnen, Lebensbrunnen im Paradies, Arche zur Rettung von Leben, Regenbögen der Hoffnung und Maria als Retterin von Menschen aus dem Feuer darstellen. Die Bildtexte sind mehrzeilige Verse in der Form eines Madrigals (lateinisch: matricale; das steht für Muttersprache), wodurch es sich um mehrstimmige Lieder für eine Gruppe von Sängern handelt.
Seit 1631 steht das Gnadenbild in der Holzkapelle. Die Darstellung zeigt eine sitzende Maria. Sie trägt einen Schleier und ihr leicht verschleiertes Kind steht auf ihrem Schoß. Die rechte Wange von Maria und das linke Antlitz von Jesus berühren sich. Dieses Kuscheln zeigt große Innigkeit. Das lose Haar von Maria fällt über die Schultern und ist, vom linken Ohr an, mit einem weißen Kopftuch bedeckt. Maria trägt ein blaues Unterkleid, ein rotes Oberkleid und einen roten Mantel. Das Gnadenbild steht im Herzen der Kapelle. Von dem Ölgemälde sind der Schöpfer und das Entstehungsjahr unbekannt. Es wird angenommen, dass es eine Kopie des spätgotischen Bildes in der Kapelle von Sankt-Jakob zu Straubing ist. Dieses Werk wird Hans Holbein dem Jüngeren (±1497-1543) zugeschrieben. Ein vergleichbares Werk hängt in einem Museum in Budapest und wurde vom flämischen Maler Adriaen Isenbrandt/Isenbrant (±1490-1551) geschaffen. Die Kapelle bildet, hinter dem Hochaltar, mit dem Gnadenbild das Herzstück der Kirche.
Im Hauptaltar ist ein großes Gemälde der Himmelfahrt Mariens. Unter dem Altar sind zwei besonders schöne Darstellungen zu sehen. Die linke Predella, der Aufstieg, über dem der Altar errichtet ist, zeigt die Verkündigung durch den Engel Gabriel an Maria. Rechts ist die Predella mit der Sammarei-Krippe, die die Geburt Jesu darstellt.
Die Kanzel zeigt Fachwerk und als Rückwand hängt ein großes Gemälde mit Maria und Kind.
Jährlich kommen Hunderte von Berichten von Pilgern im Wallfahrtsbuch, in denen Maria um Fürsprache gebeten wird oder es sind Dankesworte für erhaltene Hilfe.
Der neue, europäische Pilgerweg “Via Nova” führt an Sammarei vorbei.
In einigen Monaten des Jahres ist der 13. ein Fatima-Tag. Am 1. Mai wird das Fest der Schutzpatronin Bayerns gefeiert. Am 15. August ist das Patroziniumsfest mit Lichterprozession.
In der Wallfahrtskirche finden auch kulturelle Veranstaltungen statt, einschließlich Konzerten.
Täglich gibt es ein Morgengebet, stille Anbetung, Rosenkranz und Eucharistiefeier. Die Wallfahrtskirche und der Gebetsraum neben der Kirche sind daher auch an allen Tagen geöffnet.
ERHÄLTLICHKEIT
Die Adresse der Wallfahrtskirche “Mariä Himmelfahrt” ist Sammarei 47, D-94496 Ortenburg. Der Marienwallfahrtsort liegt im deutschen Bayern und zwar im Südosten des Landes.
Aktuelle Informationen finden Sie unter www.wallfahrtsland-sammarei.bistum-passau.de und auch unter www.wallfahrtsland-sammarei.de.
ERLEBNIS
Auf einer meiner Rundreisen durch Bayern komme ich auch nach Sammarei. Dies ist eine der meistbesuchten Marienwallfahrtsorte in Süddeutschland und das merke ich bei der Ankunft an den Autos, die hier stehen, und den Menschen, die herumlaufen. Dies ist der zweite Wallfahrtsort in Bayern, nach der von Altötting.
Ich frage mich, woher das Wort “Sammarei” kommt. Nachfrage liefert die Antwort, dass das Wort “Sammarei” eine populäre Variante des lateinischen “Sancta Maria” (Heilige Maria) ist. Von “Sancta Maria” wird es “Sankt Marei” und daraus entsteht “Sammarei”. Auch höre ich, dass polnische Patres des Ordens von La Salette die Wallfahrten organisieren.
Der gelb-weiße Kirchturm steht stattlich, als ob hier immer Wache gehalten würde. Das stimmt, denn hier gibt es ein ständiges Gebet in der Kapelle, neben der Kirche. Vor der Kirche steht der Brunnen, der leider ohne Wasser ist. Ganz in der Nähe der trockenen Quelle, am Rande dieses Geländes, steht ein Apfel-Birnenbaum. Dieser wurde vom Bischof bei der Einweihung des Brunnens gepflanzt. Ein solcher Baum hat hier einst gebrannt, aber die Kirche geriet nicht in Brand. Ein Wunder!
Wenn ich die Kirche betrete, fällt mir sofort der Altar auf. Dieser Teil der Kirche ist durch den hohen Aufbau des Retabels etwas ganz Besonderes, auf dem auch Pferde dargestellt sind. Auf dem einen Pferd sitzt Martinus von Tours und auf dem anderen Gregor. Unter diesen Abbildungen zur Linken und zur Rechten des Altars befindet sich ein geschlossenes Gitter. Hinter den Gittern sind unzählige Votivgaben zu sehen. Welch eine Dankbarkeit gegenüber Maria! Dies zu sehen macht großen Eindruck auf mich! In der Mitte, hinter einem schmiedeeisernen Gitter, steht das Gnadenbild in einer Einfassung. Maria und das Kind sind gekrönt und beide sind Wang an Wang dargestellt. Maria hat die Augen geschlossen. Ihr in die Augen schauen ist nun nicht mehr möglich. Welche Liebe strahlen Maria und das Kind aus!
In der angrenzenden Kapelle zünde ich einige Kerzen an. Siehe auch hier viele Votivgaben, die nun bei einem großen Kruzifix platziert sind. Hier ist eine passende Gelegenheit zu beten. Es ist Maria zu danken, dass ich hierher kommen durfte und mit Freunden in Gedanken ist es noch etwas länger geblieben.
In der Kirche werden Devotionalien verkauft und ich nutze dies dankbar. Eine Kerze für eine Freundin, ein Büchlein für einen Freund und Gebetskärtchen für gute Bekannte. Es gibt auch Lesezeichen zu kaufen und darauf steht ein Gebet auf Deutsch. Dies ins Niederländische übersetzen und dann komme ich zu:
“Unsere Liebe Frau von Sammarei,
Beten Sie für uns!
Unter deinem Schutz und deiner Obhut fliehen wir.
O, heilige Mutter Gottes,
verschmäh unser gebet nicht in unseren Nöten,
aber erlöse uns allezeit von aller Gefahr.
O, du, ruhmreiche und gesegnete,
Unsere Liebe Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin.
Versöhn doch mit deinem Sohn,
Empfiehl uns Ihrem Sohn,
Stellen Sie uns Ihren Sohn vor.
Amen.”
Der Besuch dieses Wallfahrtsortes hat mich angenehm überrascht. Mit vielen Eindrücken als kostbare Erinnerungen verlasse ich diesen bezaubernden Ort unserer Lieben Frau. Was für ein schöner Tag zum Einrahmen!
UMGEBUNG
In der Umgebung von Sammarei sind Wanderwege angelegt.
Verlassen von der großen Stadt Passau, um in Sammarei anzukommen, bedeutet 29 km nach Westen fahren.
Die historische Stadt Vilshofen an der Donau verlassen, um Sammarei zu besuchen, bedeutet 13 km nach Süden zu reisen.
Vom Wallfahrtsort Bogenberg nach Sammarei sind es 71 km in südöstlicher Richtung.
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