Geschichte
Um 1330 wird erstmals “Ze Soles” erwähnt, das später Solis genannt wird. Im Jahr 1354 gibt es bereits eine Kapelle.
Pater Bernardo von Marone und sein Mitbruder Lorenzo von Adolo erhalten drei Visionen und hören Engel singen. Maria erscheint und bittet sie, eine Kirche zu bauen. Sie erfahren Widerstand von Ulrich von Mont/Demont (1624-1692), Bischof von Chur (1661-1692), setzen aber die Verwirklichung ihres Plans fort.
Im Jahr 1687 beginnt der Bau der Wallfahrtskirche und Pater Bernardo di Marone leitet die Arbeiten. Innerhalb von 4 Monaten ist die Kirche von den Einwohnern von Vaz und Umgebung fertiggestellt. Danach folgen die Realisierung des Pfarrhauses, des Turms und der Sakristei. Auf die Einweihung der Wallfahrtskirche muss man warten, bis ein neuer Bischof mitwirken will. Am 23. Juni 1697 ist die Einweihung der Kirche, die Maria Heimsuchung und dem Heiligen Felix geweiht ist. Die Weihe erfolgt durch Ulrich von Federspeil (1657-1728), Bischof von Chur (1692-1728).
1979-1980 wird die Außenseite der Kirche renoviert.
Wallfahrtsort
Die kleine Kirche des Wallfahrtsortes liegt auf über 1100 Metern über dem Meeresspiegel, etwa 100 Meter von einer schmalen Straße entfernt. Die Fassade wirkt schlicht, aber das Innere ist fast vollständig bemalt und in diesem intimen Raum stehen Skulpturen und Gemälde. Diese Kirche ist laut Besuchern einer der schöneren Wallfahrtsorte in der Schweiz.
Das Gnadenbild ist die Darstellung einer Erscheinung Mariens vor einem jungen Mann, der von Maria den Auftrag erhält, eine Kirche zu bauen. Das Kunstwerk zeigt auch eine Kirche.
Links vom Hauptaltar befindet sich ein Seitenaltar, der dem Heiligen Felix gewidmet ist, und darunter befinden sich Darstellungen von Heiligen, darunter die des Heiligen Nikolaus.
Neben der Wallfahrtskirche steht ein Wohnhaus, das in der Vergangenheit als Pfarrhaus gedient hat.
Die Wallfahrtskirche ist täglich zugänglich.
ERHÄLTLICHKEIT
Obersolis liegt oberhalb von Solis im Kanton Graubünden, nahe der Straße N29 und dem über 1300 Meter langen Solistunnel; eine neue Verbindung nach Obersolis. Es ist auch möglich, über Tiefencastel nach Obersolis zu gelangen.
Obersolis gehört zur Gemeinde Vaz/Obervaz.
Adresse: Solas-Gesellschaft 14, Obersolis, 7450 Tiefencastel.
ERLEBNIS
Es ist ein Berg hinaufgehen, um zur Wallfahrtskirche zu gelangen. Auf gut 1100 Metern Höhe komme ich auf eine schmale Straße, die zum Kirchlein führt. Dort liegt die Wallfahrtskirche! Eine Wiese trennt die Straße von der Kirche und über einen grünen Teppich wandere ich zum liebenswert aussehenden Kirchlein.
Die Außenseite scheint nicht so besonders, aber dann gehe ich hinein und dann ist es so, als ob ich ins Paradies auf Erden komme. Was für eine Farbenpracht in diesem etwas kleinen, intimen Raum. Wieder einmal begreife ich, dass Kleinheit so groß sein kann.
Rechts sehe ich einen Altar der Heimsuchung Marias; sie besucht ihre Kusine Elisabeth. Beide Frauen sind im erwartungsvollen Zustand. Zwei ältere Männer sind hinter Maria und Elisabeth abgebildet und links trägt jemand ein Paket auf dem Kopf. Auf dieses Kunstwerk schaue ich eine ganze Weile und lasse die Szene auf mich einwirken.
Dann komme ich zum Hauptaltar. Er zeigt die gekrönte Maria, die einem jungen Mann erscheint. Putten befinden sich auf einer Wolke und auch eine Kirche ist sichtbar. Dies ist die Darstellung der Erscheinung, bei der Maria um den Bau einer Kirche bittet. Die Geschichte der Entstehung dieses Wallfahrtsortes kommt mir in den Sinn.
Die Rückwand des Altars ist vollständig verziert. Darunter steht der lateinische Text: “Maria ei L’aveina de salit la Mumma de Gratia!” (Frei übersetzt bedeutet dies: Maria und der Weizen des Feldes, die Mutter der Gnade). Hier steht ein weiterer lateinischer Text, dessen Worte auf Niederländisch sind: “Die Kirche kam durch die Sorge und die Arbeit von Kapuzinermissionaren zu dieser Form”, mit darunter der Jahreszahl 1853.
Links sehe ich einen Altar für den Heiligen Felix mit darunter auch einem Bildnis des Heiligen Nikolaus. Dann ist es Zeit, Kerzen anzuzünden und für das Wohlergehen von Freunden und guten Bekannten zu beten, darunter ein Mann, der sich einer Krebsbehandlung unterzieht. Bei gerade angezündeten Kerzen werden Absichten erleuchtet.
Ich verlasse die kleine Kirche und spaziere über die Wiese. Dort treffe ich eine Frau und wir kommen ins Gespräch über die kleine Kirche und das Haus daneben. In der ehemaligen Pfarrwohnung wohnt jetzt ihre Schwiegermutter. Welch ein wunderschöner Ort zum Verweilen, mit Bergen, wohin ich auch schaue, und dann die Nähe Mariens zu spüren.
UMGEBUNG
In der Region Obersolis gibt es zahlreiche Rad- und Wandermöglichkeiten auf Wegen, die Hunderte von Metern hoch sein können.
Von Tiefencastel nach Obersolis sind es 10 km nach Westen zurückzulegen. In Tiefencastel steht die Pfarrkirche St. Stephan (Stephanus). Von der Pfarrkirche ist erstmals 1345 die Rede und 1519 gibt es eine gründliche Restaurierung. Die Kirche leidet besonders unter Kriegen und von 1650-1663 kommt es zu einem Wiederaufbau durch Kapuziner. Die Kirche hat einen barocken Stil, zeigt viele Bilder und so manche Fresken schmücken das Gebäude. In einer Seitenkapelle steht ein großes Marienbild aus dem 19. Jahrhundert. Diese Marienkapelle ist der Rosenkranzkönigin geweiht. Die Fresken von den Geheimnissen des Rosenkranzes stammen aus dem Jahr 1652 und wurden vom italienischen Künstler Giulio Andreotto (ca. 1632-ca. 1690) geschaffen. Nach einem großen Brand im Jahr 1890 wurden die Malereien restauriert.
Von Vaz/Obervaz nach Obersolis sind es etwa 15 km in südwestlicher Richtung.
Von Thusis nach Obersolis zu reisen, bedeutet 15 km nach Osten zurückzulegen.
Abfahren von Chur nach Obersolis ankommen fragt 40 km nach dem Süden gehen.
Der Wallfahrtsort Einsiedeln zu verlassen, um nach Obersolis zu gelangen, bedeutet 135 km in südöstlicher Richtung zu reisen.
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