KEVELAER
Geschichte
Es ist 1641 kurz vor Weihnachten. Hendrick Busman, ein Hausierer aus Geldern, hört eine Stimme rufen. Es geht darum, eine Kapelle bei einem Hagelkreuz in der Heide von Kevelaer zu bauen. Dieses Kreuz wurde zum Schutz vor Hagelschäden im Feld aufgestellt. Die Stimme hört Hendrick Busman noch zweimal. Seine Frau, Mechel Schrouse, hat eines Nachts eine Vision von der Kapelle. Hendrick empfindet dies als ein Zeichen, eine Bildsäule zu errichten.
Einige Tage zuvor erhielt Mechel ein Heiligenbild von zwei Soldaten. Die Abbildung des Bildes zeigt Maria in einem weiten Gewand, mit dem kleinen Jesus auf dem linken Arm. In der rechten Hand hält Maria ein Zepter. Jesus hat den Erdkreis in der Hand. Sowohl Maria als auch Jesus sind gekrönt. Es handelt sich um die Abbildung einer kleinen Statue von 7,5 auf 11 Zentimeter mit dem Umriss der Stadt Luxemburg im Hintergrund.
Hendrick Busman und seine Frau Mechel Schrouse gehen zum Pfarrer Johannes Schink und erzählen ihm ihre Begebenheiten. Nach Beratung geht der Pfarrer zum Handeln über. Im Jahr 1642 stellt er die Gnadenstatue in die gebaute Bildsäule, ein Kästchen mit einem Bild an einem Pfahl. Sofort zieht die Statue Gläubige an und bereits 1643 gibt es die erste Prozession. Kurz nach der Aufstellung der Statue wurden acht wunderbare Heilungen festgestellt und diese wurden sehr schnell als Wunder anerkannt. Im 19. Jahrhundert gab es noch mehr bemerkenswerte Heilungen, wie Blinde, die sehen konnten, Stumme, die plötzlich sprachen, und Invaliden, die wieder Schritte machten.

Im Jahr 1643 wird der Grundstein für die Kerzenkapelle gelegt. Dies wird die erste Wallfahrtskirche in Kevelaer. Die Kapelle wurde in der Zeit von 1643 bis 1645 von Hendrik van Arssen erbaut. Es ist ein Backsteingebäude mit den Maßen: 32 Meter lang, 10 Meter breit und 15 Meter hoch. Der barocke Hochaltar weist viel Holzschnitzerei auf. Der Tabernakel stammt aus Antwerpen. Nach dem Frieden von Münster im Jahr 1648 wird die Kapelle am 2. Mai 1649 eingeweiht. In diesem Raum stehen über 300 Kerzen und daher der Name Kerzenkapelle.

Das Oratorianerkloster wird 1647 am Kapellenplatz erbaut. Dies ist nun das Priesterhaus, wo auch Kurse, Exerzitien und Bildungstage stattfinden.

Im Jahr 1654 ließen die Oratorianer ein sechseckiges Kapellchen um die Säule mit der Statue errichten. Dies ist die Gnadenkapelle. Die 2,5 Meter hohe Säule mit der Statue zeigt die Kupfergravur, die aus dem Bildchen gefertigt wurde, das Mechel Schrouse gefunden hat. Die Luxemburger Madonna ist die “Consolatrix Afflictorum” oder auch die “Trösterin der Betrübten”. Im Mauerwerk der Kapelle befindet sich eine Öffnung, durch die das Bildchen von der Außenseite der Kapelle aus zu sehen ist. Im Jahr 1664 wurde das Gnadenbildchen in einen vergoldeten Silberrahmen gefasst. Das Interieur stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die Ausgestaltung des kleinen Gebäudes dauerte nicht weniger als vier Jahre (1888-1892). Die Entwürfe der Malereien stammen vom Künstler Friedrich Stummel. Seine Werke sind im Stil der Neorenaissance gehalten. Im Jahr 1892 wurde das Gnadenbildchen mit einer goldenen Krone bereichert. Zwei Engel halten die Krone. Dies ist ein Geschenk des Vatikans in Rom. Am oberen Rand des Bildchens steht: “Consolatrix Afflictorum Ora Pro Nobis”, was bedeutet: “Trösterin der Betrübten, bitte für uns”.

In der Zeit von 1858 bis 1864 wird eine große Kirche realisiert, um den wachsenden Pilgerstrom bei den Gottesdiensten zu ermöglichen. Dies ist die Pfarrkirche der Heiligen Maria und liegt nahe der Gnadenkapelle. Zuerst werden das nördliche und südliche Querschiff fertiggestellt, und zwar nach den Plänen von Vincenz Statz (1819-1898). Der 90 Meter hohe Turm wird erst 20 Jahre später fertiggestellt. Fast 30 Jahre haben Künstler an den Ausmalungen in dieser Kirche gearbeitet. In der Kirche werden viele ikonografische Ausmalungen angebracht. Kirchenmaler Friedrich Stummel hat mit vielen Schülern etwa 170 Gemälde mit ungefähr 1200 Figuren geschaffen. Das Kirchengebäude ist 70 Meter lang und die Räumlichkeit bietet Platz für 800 Besucher. Im Jahr 1923 verleiht Papst Pius XI. der Marienkirche den Titel Basilika.

Die Wallfahrtskirche St. Maria ist mit der Beichtkapelle verbunden, welche im Jahre 1858 erbaut wurde. In dieser Kapelle befindet sich auch die Taufkapelle. Auf dem Taufbecken ist die Inschrift zu lesen: “Fons Hic Est Vitae Qui Totum Diluit Orbem Hoc Natus Flumine Sanctus Erit”. Dies bedeutet: “Dies ist die Quelle des Lebens, welche die ganze Erde reinigt, wer in diesem Wasser geboren wird, wird heilig sein”.
Seit 1985 gibt es jährlich eine Wallfahrt für Motorradfahrer und seit 1987 findet eine Wallfahrt mit Tamils statt. 1987 kommt Papst Johannes Paul II. nach Kevelaer zur Eröffnung der Wallfahrtssaison. Ebenfalls in diesem Jahr sind in Kevelaer Mutter Teresa und Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI.
Wallfahrtsort
Seit 1642 ist Kevelaer ein beliebter Marienwallfahrtsort. Täglich kommen hier viele Pilger zum Zentrum der Stadt. Den Kern des Stadtzentrums von Kevelaer bilden der Kapellenplatz mit der Gnadenkapelle, der Wallfahrtskirche St. Marien, der Kerzenkapelle, der Beichtkapelle und dem Priesterhaus.
Die meisten Besucher kommen für das Gnadenbild in der Gnadenkapelle. Diese Kupfergravur heißt “Consolatrix Afflictorum” oder “Trösterin der Betrübten”. Die kleine Gnadenkapelle hat daher ständigen Besuch.
Die Kerzenkapelle ist mehr als eindrucksvoll mit über 300 Kerzen, vielen Bannern und Schilden von besuchenden Pilgergruppen.
Die Wallfahrtskirche der Heiligen Maria fällt mit ihrem 90 Meter hohen Turm auf. Die Marienstatue ist der Blickfang in dieser Kirche. Besonderes ist auch das Retabel in der Apsis; dieses stellt die Sieben Schmerzen Marias dar, und in der Mitte ist die Pietà zu sehen. Über dem Altar ist die Darstellung der Himmelfahrt Marias mehr als sehenswert.

Die Sakramentskapelle ist mit neogotischer Holzauskleidung ausgestattet. Die Fenster zeigen treffende Szenen: Verkündigung an Maria, Geburt Jesu, Hochzeit zu Kana, Krönung Mariens und Josef der Arbeiter.
Die Kapelle Pax Christi wurde Ende des 20. Jahrhunderts durch den Einbau eines Glasdaches auf dem angrenzenden Gelände erweitert. Dieses Ganze wird “Forum Pax Christi” genannt. Im runden Altarblatt werden Reliquien des Heiligen Ludger, des ersten Bischofs von Münster und des Heiligen Willebrord, des ersten Missionars in der Gegend um Kevelaer, aufbewahrt. In Kevelaer befindet sich auch die orthodoxe Johanneskapelle.
Kevelaer möchte nicht als Wallfahrtsort der Wunder, aber als Ort des Trostes gesehen werden. Das attraktive Zentrum zählt etwa 200 denkmalgeschützte Gebäude, viele Geschäfte, verschiedene Restaurants, einige Galerien und manches Atelier. Auch viele Radwege sind in und um die Stadt ausgewiesen. Dies alles macht Kevelaer bei vielen beliebt. Es ist der größte Marienwallfahrtsort in Nordwesteuropa. Nach Altötting ist es der zweite Marienort in Deutschland. Die Wallfahrtssaison beginnt in Kevelaer am 1. Mai. Aus verschiedenen Städten kommen Pilger zu Fuß oder mit dem Fahrrad. So gibt es bereits seit 1909 die kirchlich genehmigte Radwallfahrt aus dem niederländischen Tilburg nach Kevelaer. Pro Jahr kommen durchschnittlich über 800.000 Besucher zu dem Wallfahrtsort.
ERHÄLTLICHKEIT
Kevelaer liegt im Kreis Kleve, nahe der Grenze zu den Niederlanden. Von den Niederlanden aus ist der Wallfahrtsort leicht zu erreichen, um nach Boxmeer oder Venlo über die Grenze zu fahren.
Die Adresse lautet: Kapellenplatz, D, 47623 Kevelaer.
Weitere Informationen: www.wallfahrt-kevelaer.de.
ERLEBNIS
Mein eigentliches Ziel in Kevelaer ist die “Gnadenkapelle” auf dem “Kapellenplatz”. In der Gnadenkapelle sehe ich die Kupferstich der Mutter Gottes. Es ist eine Öffnung im Mauerwerk der Kapelle gemacht worden und so ist der Stich auch für die Besucher außerhalb der Kapelle sichtbar. In der Kapelle sehe ich einen schönen Altar und in der Kuppel gefühlvolle Bilder von Maria.
Daarna ga ik naar de Kaarsenkapel. Van oudsher is dit de echte bedevaartkerk. Ik hoor dat vele processie hier aankomen. In de kapel zie ik vele, grote kaarsen, heel wat wapenschilden, ex-voto’s en glas-in-loodvensters. Was gibt es viel Pracht in dieser Kapelle!

Nach der Kerzenkapelle gehe ich zur Basilika. Viele Gemälde versetzen mich in eine andere Welt. In diesem Gebäude berührt mich die Marienstatue. Sie ist gekrönt, ebenso wie Jesus, der auf ihrem linken Arm sitzt und den Reichsapfel in der linken Hand hält. Maria hält in der rechten Hand ein Zepter. Die Farben Blau und Rot sind eine gelungene Wahl. Danach ist Zeit zum Gebet an Maria.

Später am Nachmittag gehe ich den Kreuzweg im Kreuzwegpark an. Dazu begebe ich mich zum St. Klara Platz und gegenüber dem Clarissenkloster gehe ich in den Park. Was für beeindruckende Stationen auch hier. Der Kreuzweg endet im Mariapark beim Bild der Mantelmadonna. Dieses Denkmal erinnert auch an die Gefallenen in den beiden Weltkriegen. Was für ein schöner Aufenthalt in Kevelaer!
Veröffentlicht: 26. März 2020
Zuletzt geändert: 24. Juli 2024
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