Im Jahr 1384 wurde Krossen formell von Heinrich III. Sorbon (1340-1401), Bischof von Ermland (1373-1401) gegründet und dann wird die erste, kleine Marienkapelle erbaut.
Der heutige, große Komplex besteht seit über 300 Jahren. Er war einst der bedeutendste Marienwallfahrtsort Ostpreußens. Der nahe gelegene Fluss Drwęca/Drewenz wurde vor vielen Jahren etwas verlegt, um den Bau der Kirche zu ermöglichen.
Am Ursprung des heutigen Kurortes liegt eine Legende von vor über 500 Jahren. Spielende Kinder finden am Ufer des Flusses Drwęca eine steinerne Marienstatue. Sie nehmen die Statue mit und bekommen sie zu Hause einen Platz. Bemerkenswert ist, dass das Bild am nächsten Tag wieder am Ufer des Flusses ist. Die Statue wird wieder zum Haus gebracht, ist aber etwas später wieder am Fluss. Dies wiederholt sich mehrmals. Ein Priester aus dem nahegelegenen Orneta erfährt davon und lässt die Statue in die Kirche bringen. Auch dann kehrt die Statue zum Fluss zurück. Anschließend bekommt die Marienstatue einen Platz in einer Kapelle am Fluss und bewirkt bei Menschen Wunder, wie Heilungen. Dadurch werden der Statue übernatürliche Kräfte zugeschrieben.
Im Jahr 1593 verwirft Jakob Bartsch (1507-1590), der Sohn des Bürgermeisters von Braniewo/Braunsberg, das Gut Krossen und lässt eine neue Marienkapelle bauen. Die Wunder, die das Bildnis der Maria vollbringt, machen die Gegend sehr bekannt. Bald ist die Kapelle wegen der wachsenden Zahl von Besuchern zu klein. Im Jahr 1600 errichtet er eine Eichenkapelle mit dem Altar der vorherigen Kapelle.
Aufgrund des zunehmenden Pilgerstroms wird 1709 nach einer Epidemie der Plan gefasst, eine größere Wallfahrtskirche zu bauen. Auf Drängen von Priester Kaspar Simonis (1660-1733) wird mit dem Bau der heutigen Wallfahrtskirche begonnen, als Vorbild für die Realisierung der Kirche dient die Wallfahrtskirche aus dem nahegelegenen Swięta Lipka (Heilige Linde). Die finanziellen Mittel stammen von Teodor Andrzej Potocki (1644-1738), Bischof von Chelmno (1699-1712), Bischof von Ermland/Warmia (1712-1722) und wird später Erzbischof von Gniezno (1722-1738). Auch eine adlige Familie aus Warszawa/Warschau ist ein wichtiger Gönner. Der Grundstein wurde 1715 gelegt. Der Architekt ist Johann Christoph Reimers (±1660-1720). Durch seinen Bauplan wird der Fluss umgeleitet. Am 8. September 1720 wurde die Kirche geweiht. Einige Jahre nach der Einweihung gründen zwei Karmeliten aus Gdańsk/Danzig in Krossen eine Bruderschaft des Heiligen Skapuliers. In Krossen geschehen Wunder, wie ein Mann, der sein Augenlicht zurückerhält.
In der Kirche steht eine barocke Kanzel, die vom Bildhauer und Holzschnitzer Christoph Peucker/Peukert/Peickert/Pechert/Preike (1662-1735) geschaffen wurde. Dieser Künstler hat noch mehr für das Innere getan, darunter die Schaffung des Hochaltars. Die Orgel wurde 1730 von Jan Wolff/Wulff (1706-1751) gebaut. Der Kreuzweg ist aus dem Jahr 1740.
Die Stirnseite der Kirche stammt aus dem Jahr 1754 und zeigt den Rokoko-Stil. Die Skulptur in der Fassade zeigt Maria Heimsuchung und wurde vom Bildhauer Christoph Perwanger (ca. 1700–ca. 1767) aus Tolkemit geschaffen.
In der Zeit von 1927 bis 1940 wird die Anlage größtenteils restauriert.
Im Jahr 1945 ändert sich der Name Krossen zu Krosno und Soldaten der Deutschen Armee und andere Deutsche werden durch den Einmarsch der Russischen Roten Armee vertrieben.
In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) verschwand das ursprüngliche Gnadenbild und Metallrohre der Orgel wurden gestohlen. Anschließend kommt eine Reproduktion des Bildes in die Kirche und am 4. Juni 1960 erfolgte die Segnung durch Warmiński Tomaz Wilczyński (1903-1965), apostolischer Administrator und später Bischof (1952-1965). Das Wallfahrtsort wird eine Filiale der Pfarrkirche in Orneta. Im Jahr 1994 wird das Wallfahrtsort eine eigenständige Pfarrei.
Um 1990 herum wurden die stark verfallene Kirchenfassade und das Dach renoviert und auch die Orgel mit deutscher und polnischer privater Hilfe aufgearbeitet. Viele setzten sich dafür ein, darunter der engagierte Priester Andrzej Kruzycki (1957-2015). Finanzielle Unterstützung kam insbesondere vom Fonds des verstorbenen Maximiliaan Kaller (1880-1947), Bischof von Ermland (1930-1945) und Bischof der Vertriebenen (1945-1947). Auch wurde Unterstützung vom Ministerium für Kultur und Nationales Erbe und unter anderem von der Gemeinde Orneta erhalten. Im Jahr 2017 wurde der Hochaltar restauriert. Danach wurde an dem Wiederaufbau und der Renovierung von Pfarrhaus und Pilgerhaus gearbeitet. Auch die Umgebung erhält einen Impuls mit der Anlage von Parkplätzen und einer attraktiveren Gestaltung der unmittelbaren Umgebung.
An beiden Seiten des Eingangstores ist der Kreuzweg zu besuchen.
Hoch an der Vorderseite der Kirche ist eine Abbildung von Maria mit Kind aus dem 18. Jahrhundert.
Die barocke Wallfahrtskirche ist der Aufnahme Mariens in den Himmel gewidmet. Die Abmessungen des Gebäudes sind 37 m lang und 18 m breit. Die Kirche bietet viele kunsthistorische Skulpturen, Gemälde und Baustile.
Der Komplex mit überdachter Kreuzweg, Kirche und Nebengebäuden leidet unter Vernachlässigung und einige Gebäude und Mauern sind in einem schlechteren Zustand. Trotzdem kann hier noch viel gemacht werden …
Kirchliche Feiertage gibt es insbesondere am letzten Sonntag im Mai und am 15. August mit Mariä Himmelfahrt.
Krosno/Krossen liegt im Nordosten Polens, nahe der Stadt Orneta, in der Region Ermland/Masuren.
Adresse: Krosno12/2, 11-130 Orneta.
Auf www.sanktuariumkrosno.pl sind aktuelle Informationen zu finden.
In der Vorbereitung auf den Besuch des Wallfahrtsortes Krosno lese ich über die Geschichte von mehr als drei Jahrhunderten bezüglich Blütezeit, Verfall und Baustil. Dies weckt Neugierde in mir und ein Besuch wird vorbereitet.
Um die Marienwallfahrtsstätte zu besuchen, fährt man nach Nordosten Polens bis unweit der Grenze zu Russland. Wenn ich am Ort Orneta ankomme, ist es noch ein paar Kilometer weiter zu fahren.
Am Heiligtum wurde ein kleiner Parkplatz eingerichtet und von dort habe ich einen herrlichen Blick auf die Kirche und Nebengebäude.
Dann überquere ich die Straße, nähere mich dem Eingangstor und gehe auf das Gelände vor der Kirche. An der Rokoko-Fassade sehe ich eine Abbildung der Jungfrau Maria mit ihrer Nichte Elisabeth.
Zwischen den Außenmauern und der Kirche befindet sich eine überdachte Galerie. Es ist ein Kreuzgang, der ganz um die Kirche herumführt. Das erlebe ich nicht so oft und der Wallfahrtsort wird dadurch etwas Besonderes. Die Pflasterung ist noch nicht so lange her erneuert worden. Den Rundgang entlang der Stationen möchte ich später am Tag machen, denn zuerst geht es in die Kirche hinein.
Die Wallfahrtskirche ist in einem Wort herzerwärmend und das Innere kommt so einladend auf mich zu. Der Hauptaltar ist prächtig mit dem Gnadenbild Marias in der Mitte. Auffallend schön sind die jahrhundertealten, bearbeiteten Holzbänke. Diese sind doch von höherer Klasse als die Stühle in mancher Kirche.
In der Kirche befindet sich ein Altaraufbau mit der gekrönten Maria mit Kind, an deren beiden Seiten sich große Statuen befinden. Auf einem anderen Altar sind ebenfalls Maria und Kind dargestellt, wobei die Gottesmutter ein Skapulier gibt. Darüber befindet sich eine Malerei mit der Heiligen Familie, wobei links ein Bildnis des Heiligen Nikolaus angebracht ist. Das Jahr 1725 ist darunter erwähnt. Es ist dann Zeit für Gebete und einmal lang anhaltend über einige Facetten meines Lebens nachzudenken.
Dieser Schrein wird Schritt für Schritt renoviert. Die finanziellen Mittel verhindern vorerst ein groß angelegtes Vorgehen. Dieses materielle Erbe verdient ein langes Leben. Der Schrein ist für mich ein Juwel sakraler Baukunst und Spiritualität im Nordosten Polens und verdient viele Besucher.
Der Wallfahrtsort Gietrzwald liegt 60 km südlich von Krosno/Krossen.
Nach Orneta sind es 3 km nach Westen zu gehen.
Die große Stadt Olsztyn liegt 53 km südlich von Krosno/Krossen.
Die Hafenstadt Danzig/Gdansk liegt 118 km westlich.
Um in die Hauptstadt von Polen zu fahren, sind es 280 km nach Süden, um in Warschau anzukommen.
Die russische Stadt Kaliningrad ist zu erreichen, indem man 98 km nordöstlich fährt.
Veröffentlicht: 5. Oktober 2024
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