Geschichte
Die Entstehung von Mariazell reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück, denn am 21. Dezember 1157 ist der Ort entstanden. Otker, Abt von 1155 bis 1159 des Benediktinerklosters St. Lambrecht schickt einen Mönch in die Gegend, die jetzt Mariazell heißt. Eine Legende erzählt..
Im 12. Jahrhundert gibt es Mönche in der Region des späteren Mariazell. Im Jahr 1157 wird der Mönch Magnus von Abt Otker nach Mariazell gesandt, und er bringt auch ein Marienfigürchen aus Lindenholz mit. Am 21. Dezember 1157 ist Magnus auf dem Weg dorthin und plötzlich versperrt ein Felsblock den Durchgang. Der Mönch stellt das Marienbild vor den Felsen, und die Steinmasse spaltet sich. Dadurch kann der Mönch weitergehen. Spät am Abend stellt er das Figürchen in einen hohlen Baumstamm, baut eine hölzerne Mönchszelle und lebt darin weiter. Diese Zelle wird durch das Bild zu einer Kapelle und wächst im Laufe der Jahre zum größten Marienheiligtum Österreichs mit jährlich vielen Wallfahrten heran. Leider geht das Figürchen verloren; eine Replik kommt später in die Basilika. Diese Legende liegt der Entstehung des Wallfahrtsortes Mariazell zugrunde.
Mariazell stammt vom Namen der Mutter Gottes und vom lateinischen “cella”, was Einsiedlerzelle bedeutet. Auf Deutsch ist das “Zelle”.
Die ersten prominenten Pilger sind Graf Vladislav Heinrich (±1160-1222), Graf von Mähren und Herzog von Böhmen mit seiner Gemahlin, die die Zelle besuchen. Der Graf leidet sehr unter Gicht. Durch den Besuch der Zelle und das Gebet vor dem Marienbild wird der Graf geheilt. Aus Dankbarkeit lässt der Graf um 1200 eine Kapelle bei der Zelle bauen.

Um 1300 ist die Rede von der Kirche “Unserer Lieben Frau in Cella”. 1365 gibt es eine neue Entwicklung für Mariazell. Ludwig I. von Ungarn (1326-1382) gewinnt einen Kampf gegen die Türken und widmet den Sieg Unserer Lieben Frau. Er schenkt das Gnadenbild, das noch immer auf dem Altar in der Schatzkammer steht und von ungarischen Pilgern verehrt wird. Es wurde um 1355 gefertigt und wird dem italienischen Maler Andrea Vanni (1332-1414) zugeschrieben. Für die Entwicklung von Mariazell ist die Gewährung eines vollkommenen Ablasses im Jahr 1399 durch Bonifatius IX., Papst im Zeitraum 1389-1404, von großer Bedeutung. Die Zahl der Pilger steigt dadurch erheblich an. Um 1500 ist Mariazell ein international bekannter Wallfahrtsort und das nicht nur für Adlige, sondern auch für Bürger und Bauern.
Mariazell ist ein Wallfahrtsort, auf den selbst die Reformation im 16., 17. und 18. Jahrhundert keinen Einfluss hatte. In dieser Zeit kommen Pilger aus ganz Europa zu der österreichischen Wallfahrtsstätte.
Ursprünglich ist die Basilika eine gotische Hallenkirche. Im 17. Jahrhundert bringt der Schweizer Architekt Domenico Sciassa (ca. 1599-1679) den Barockstil in das Gebäude. 1644 wird mit der Erweiterung der Kirche begonnen und diese wird 1683 fertiggestellt. Die Kirche ist dann nicht nur länger, sondern an der Vorderseite sind zwei Türme hinzugekommen. Neben dem hohen Turm ist an jeder Seite ein kleinerer Turm von 60m gebaut worden. Die Gesamtlänge der Kirche beträgt 84 m und die Breite beträgt 30 m. Die Weihe findet am 31. August 1704, als der Hochaltar aufgestellt ist, durch Franz von Kaltenhausen (1634-1707), Abt des Klosters St. Lambrecht, statt. Um die Wallfahrtskirche ist die Stadt Mariazell entstanden.
Im Jahr 1726 wurde die heutige Gestaltung des Altares der Gnadenkapelle angebracht. An der Herstellung waren unter anderem der Architekt Joseph Emanuel Fischer von Erlach (1693-1742) und der Silberschmied Philipp Jakob Drentwett IV (1686-1754) beteiligt. Im Jahr 1756 verarbeitete Drentwett IV das Silber für die Gnadenkapelle, das von Maria Theresia von Österreich (1717-1780), Erzherzogin von Österreich, Königin von Ungarn und Böhmen (1740-1780) sowie Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches (1745-1765), gespendet wurde.
Um 1800 müssen viele Kunstschätze der Regierung abgeliefert werden, um den Zweiten Koalitionskrieg (1792-1802) mitzufinanzieren. Durch einen Großbrand im Jahr 1827 werden Dach, Glocken und Turmhaube zerstört. Das ganze Königreich trägt zur Schadensbehebung bei. Auch der Erste Weltkrieg (1914-1918) fordert Opfer, indem das Kupferdach für Kriegsanstrengungen abgegeben wird.
Im Jahr 1907 wird die Kirche zur Basilika erhoben. Im Jahr 1908 wird das Gnadenbild gekrönt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945) wächst der Ort durch die zunehmende kirchliche und kulturelle Ausstrahlung. Mariazell wird ein großes kirchliches und kulturelles Zentrum von internationalem Ruf.
Die größte Besuchergruppe in Mariazell bilden Österreicher und danach Ungarn. Der Grund, warum viele Menschen ungarischer Nationalität zum Wallfahrtsort kommen, ist, dass in Österreich viele Ungarn leben. Eine andere Erklärung ist der “Eiserne Vorhang” (1945–1989), hinter dem Ungarn 1947 verschwindet. Mariazell ist dann für Ungarn noch erreichbar. Dadurch wird der Marienwallfahrtsort zu einem Symbol des ungarischen Widerstands gegen den Atheismus des herrschenden russischen Oberherrn und die Diktatur dieses Landes.
Mariazell empfängt zweimal einen Papst, nämlich 1983 Johannes Paul II., Papst von 1978 bis 2005, geboren als Karol Józef Wojtyla (1920-2005), und Benedikt XVI. im Jahr 2007, Papst von 2005 bis 2013, geboren als Joseph Aloysius Ratzinger (1927-2022).
Wallfahrtsort
Die gotisch-barocke Basilika ist von weitem zu sehen und ist der Geburt Mariens geweiht. Die charakteristische Fassade mit drei Türmen empfängt die Besucher von weitem. Das große, gebogene Hauptportal weist Worte auf Latein auf. Die Inschrift ist ein Verweis auf den Besuch des Grafen von Mähren und seiner Ehefrau. Der Graf wird von Maria von Gicht geheilt. Es wird auch gezeigt, dass Ludwig I., König von Ungarn, als Dank für den Sieg über die Türken eine Marienstatue schenkt.
Das Gnadenbild in Mariazell hat drei Titel, nämlich Große Mutter von Österreich (Magna Mater Austriae), Große Frau der Ungarn (Magna Domina Hungarorum) und Große Mutter der slawischen Völker (Alma Mater Gentium Slavorum).
In Mariazell kommen viele Pilger aus zahlreichen Ländern. Es gibt auch traditionelle Wallfahrten, wie die der Kroaten aus dem österreichischen Burgenland, die seit 1923 zum Heiligtum kommen.
Besucher kommen speziell wegen des Marienbildes. Die Madonna ist in der Gnadenkapelle von Silbersäulen und einem Silberbaldachin umgeben. Diese spätromanische Darstellung ist 48 cm hoch und aus Lindenholz geschnitzt. Nur an zwei Tagen im Jahr trägt die Madonna keine spezielle Marienkleidung, nämlich am 8. September, dem Fest der Geburt Mariens, und am 21. Dezember, wenn die Entstehung von Mariazell gefeiert wird. Maria hält das Jesuskind, das zum Zeichen der Erbsünde einen Apfel in der linken Hand hält. Mit der anderen Hand greift es nach einer Feige, dem Symbol für Tod und Auferstehung, das Maria ihm reicht. Die Bedeutung dahinter ist, dass Jesus das gesamte Leid auf sich nimmt, um die Menschen von ihren Sünden zu befreien. Maria zeigt mit ihrem linken Zeigefinger auf Jesus. Maria möchte also nicht im Mittelpunkt stehen, sondern im Hintergrund als Fürsprecherin der Menschen.
In der Gnadenkapelle sind auch die Bilder von Josef, Joachim und Anna zu sehen. Diese wurden 1734 von dem italienischen Bildhauer Lorenzo Mattielli (ca. 1678-1748) gefertigt.

Hinter der Gnadenkapelle, im im 17. Jahrhundert erbauten Teil der Kirche, steht eine 2 m große Marienstatue auf einer 5 m hohen Marmorsäule. Die Statue ist aus dem Jahr 1520. Maria wird als Himmelskönigin dargestellt und trägt auf dem rechten Arm den segnenden Jesus mit einer Weltkugel. In der linken Hand hält sie ein Zepter.
Die Fresken an den Gewölben machen Eindruck und besonders die in der hohen Kuppel.
Auf beiden Seiten des Mittelschiffs sind sechs Kapellen angebaut.

Die Basilika verfügt über eine umfangreiche Schatzkammer, die über die Treppe beim nordwestlichen Turm zu erreichen ist. Oben gibt es viele Schätze und die Galerien zeigen Hunderte von persönlichen Danksagungen an Maria. Über den Durchgängen der Galerien sind 32 wundersame Ereignisse dargestellt, die in den Jahren 1622-1626 von Markus Weiss (+1641) aus Graz geschaffen wurden. In Vitrinen sind viele Kostbarkeiten wie Kreuze, Monstranzen und Kronen für das Gnadenbild zu sehen. Auch in der nördlichen Schatzkammer ist der Altar mit dem alten Gnadenbild zu sehen, das aus der Zeit um 1360 stammt. Weiterhin sind viele Gemälde aufgehängt, darunter das Gemälde des Kampfes des Königs von Ungarn gegen die Türken. Dank der Hilfe Marias gewinnt der König die Schlacht und schenkt das Marienbild, das sich nun im Altar der Schatzkammer befindet. Dieses Bild wird noch immer sehr verehrt. In der Schatzkammer sind auch Kleidungsstücke des Gnadenbildes zu sehen.
In der Zeit von Mai bis Oktober findet jeden Samstagabend eine Lichterprozession statt. Die Basilika ist das ganze Jahr über geöffnet und täglich finden Eucharistiefeiern statt.
In Mariazell ist ein Freundeskreis aktiv, nämlich “die Vereinigung der Freunde”. Während der Sonntagsmesse wird auf Wunsch der Freunde und Wohltäter gedacht. Es ist möglich, Mitglied der “Freunde der Basilika Mariazell” zu werden. Den Freunden wird das periodische “Gruss aus Mariazell” geschickt. Der Verein unterstützt die Basilika und ihre Filialkirchen bei der Finanzierung von Reparatur- und Wartungsarbeiten.
Die Gnaden Unserer Lieben Frau in Mariazell sind besonders Friede in unruhigen, leidenden Herzen.
ERHÄLTLICHKEIT
Mariazell liegt im Norden des Bundeslandes Steiermark, im Bezirk Bruck an der Mur, südwestlich von Wien und nördlich von Graz.
Die Basilika befindet sich im Herzen von Mariazell, am Benediktinerplatz 1, 8630 Mariazell.
Auf www.basilika-mariazell.at sind aktuelle Informationen zu finden.
ERLEBNIS
An einem Sonntag bin ich gegen 8:00 Uhr morgens in der Basilika und wohne der Eucharistiefeier bei. Anschließend ist es ein Rundgang machen in dem prächtigen Gebäude. Dabei komme ich Maria vielfach entgegen auf Gemälden und als Abbildungen. Was ist es hier schön! Ich gerate noch mehr unter den Eindruck, als ich nahe dem Gnadenbild bin. Vor dieser Abbildung kommen die Pilger nach Mariazell.
Nachdem ich die Basilika umrundet habe, gehe ich hinauf und gelange zur Schatzkammer. Zahllose Dankesbeweise hängen an den hohen Mauern. Auch hängen hier Gemälde, die Besuche von Adligen in Mariazell darstellen, Kampfszenen zeigen und Erscheinungen Marias darstellen.

In der Schatzkammer steht auch eine große, alte, hölzerne Marienstatue. Diese Darstellung hat Geschichte geschrieben, indem sie Millionen von Besuchern willkommen geheißen hat. Was hätten die Pilger zu ihr gesagt? Die große Statue wurde um 1360 gefertigt. Maria sitzt mit ihrem Kind auf einem Thron und ist mit Krone und Zepter dargestellt. Bevor sie in der Schatzkammer aufgestellt wurde, stand die Statue in der Sakramentskapelle. Die Statue könnte aus dem ehemaligen Kartäuserkloster in Gaming stammen und trägt daher den Namen “Kartause Maria Thron”.
An einem Stand, nahe der Basilika, kaufe ich Devotionalien für Freunde, Bekannte und mich selbst, darunter einige Karten mit dem Bildnis der Madonna und auf der Rückseite dem Text mit den Worten: “Maria hilft in jedem Leid. Maria hilft alle Zeiten, Sie hilft, wenn niemand kann helfen, darum wird Sie voll Vertrauen angerufen.”
Während meines Besuchs in Mariazell ist es voll mit vielen Pilgern. Ich sehe Gruppen von Ungarn, die an diesem Wochenende ihre Pilgerreise organisiert haben. Unter ihnen sind welche, die 1956 aus ihrem Land nach Österreich geflohen sind. Die meisten haben einen Stock dabei, um das lange Gehen zu erleichtern. Eine Gruppe ist ganz auf die gleiche Weise gekleidet. Mir fällt auf, dass jede Gruppe singend die Basilika betritt.
Dass Mariazell ein international beliebter Wallfahrtsort ist, zeigt sich vor allem durch die unzähligen Besucher aus vielen Ländern. Ich sehe und höre nicht nur Pilger aus Österreich, sondern auch aus Ländern wie Deutschland, Ungarn, Kroatien, Italien und Polen. In der Basilika liegen denn auch viele Prospekte und Hefte in verschiedenen Sprachen. Jedoch, Ausgaben in niederländischer Sprache fehlen. Vielleicht ist die Überlegung, dass Niederländer und Flamen mehrsprachig sind.
Am Ende meines Besuchs in Mariazell ist die Schlussfolgerung, dass viele hier Maria treffen. Dies sind überwiegend tiefgläubige Menschen und solche, die weniger mit dem katholischen Glauben zu tun haben, wie Atheisten und Protestanten. Was für eine große Anziehungskraft hat die Muttergottes! Was mir auch auffällt ist, dass viele Pilger hier in großen Gruppen kommen. Es tut mir gut, hierher kommen zu dürfen.
Ich finde, Mariazell ist ein Ort, den man unbedingt besuchen sollte, um dort Maria zu begegnen, und außerdem … Es gibt Terrassen bei Cafés und Restaurants, zahlreiche Hotels, Bekleidungsgeschäfte, Souvenirläden und Stände mit lokalen Likören mit 40%-Alkoholgehalt. Diese Getränke sind typisch für die Stadt, was auch die Etiketten zeigen. Das Besondere an diesem Ort ist jedoch die Gnadenstatue in der Basilika, zu der jährlich etwa eine Million Besucher kommen. Mariazell ist einer der großen europäischen Marienwallfahrtsorte. Es ist ein Geschenk, Maria hier besuchen zu dürfen.
UMGEBUNG
Von der Hauptstadt Wien nach Mariazell zu fahren, bedeutet 138 km nach Südwesten zurückzulegen.
Die große Stadt Graz verlassen, um in Mariazell anzukommen, erfordert 115 km nach Norden zu gehen.
Von dem bekannten Kloster Melk nach Mariazell zu reisen, bedeutet 90 km südwärts zu überbrücken.
In Melk wurde das ursprüngliche Schloss zur befestigten Abtei umgebaut. Im Jahr 1297 wurde der Komplex fast vollständig durch einen Brand zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Das Kloster verfügt über eine Bibliothek mit mehr als 100.000 Werken. Aktuelle Infos: www.stiftmelk.at.

In der Stiftskirche von Melk gibt es viele Kapellen, darunter eine, die dem Heiligen Nikolaus geweiht ist. In dieser Kirche sind viele Gemälde zu sehen, auf denen Maria abgebildet ist. Kunstwerke stellen unter anderem die Anbetung der Heiligen Drei Könige und die Flucht nach Ägypten dar.
Auch der Besuch der Pfarrkirche im Ort Melk ist mehr als lohnenswert. Auch dort sind Darstellungen von Maria zu sehen, darunter farbenfrohe Buntglasfenster.
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