Maria-
Zimmer

Wallfahrtsorte in Deutschland – Marienthal

Geschichte

Eine Legende aus dem Jahr 1309 liegt dem Wallfahrtsort zugrunde. Ein Jäger namens Hecker Henn steht im Dienste des Junker Hans Schaffrait von Oppelsheim. Der Jäger erleidet einen Unfall und verliert das Augenlicht. Ärzte können ihm nicht helfen. Der Mann geht zu einer Marienstatue, die an einem Baum befestigt ist. Er betet bei der Statue und wenig später kann der Mann wieder sehen wie zuvor. Diese auffällige Heilung veranlasst den Junker, ein Kapellchen zu bauen, in das die Statue von Maria kommt, die ein Vesperbild oder eine Pietà ist. Interessierte kommen zu der kleinen Kapelle und beten bei der Statue und bitten Maria um Hilfe.

Die im Jahr 1313 erbaute Kapelle wurde in den Jahren 1326–1330 zu einer Kirche vergrößert. Am 8. September 1330, dem Fest Maria Geburt, wurde die Kirche von Balduin von Luxemburg (1285–1354), dem Erzbischof von Trier (1307–1354), geweiht.

Im Jahr 1463 kommen die Wallfahrten zum Stillstand. Dies dauert kurz, denn Veränderungen kommen im Jahr 1465. Ab jenem Jahr haben “Brüder des gemeinsamen Lebens” die Verantwortung über Kloster und Wallfahrten. Im Jahr 1468 richten sie die erste Klosterdruckerei der Welt auf. Durch die Reformation kommen die Brüder unter Druck zu stehen und sie sind gezwungen im Jahr 1550 Marienthal zu verlassen. Kurz hiernach kommen in Marienthal Augustiner. Im Jahr 1568 bekommen sie Wallfahrtsaufgaben auferlegt durch Daniel Brendel von Homburg (1522-1582), Erzbischof von Mainz (1555-1582). Etwas später kommen die Wallfahrten nicht viel mehr vor und es ist gesprochen worden über die Aufhebung des Klosters in Marienthal.

IMG 8450
Wallfahrtskirche Marienthal

Im Jahr 1612 kommen Jesuiten nach Marienthal, und dies im Auftrag von Johann Schweikhard von Kronberg (1553-1626), Erzbischof von Mainz (1604-1626). Von 1612 bis in das Jahr 1773 sind Jesuiten in Marienthal aktiv und die Wallfahrten blühen auf. Im Jahr 1626 herrscht die Pest und durch diese sehr ansteckende Krankheit kommen viele um. Maria von Marienthal wird zur Schutzpatronin ernannt und bald hört die Epidemie auf. Brand und der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) sind große Rückschläge und im Jahr 1773 verlassen die Jesuiten den Ort. Nach ihrem Weggang tritt der Verfall der Kirche ein und die Wallfahrten nehmen drastisch ab. Das Gnadenbild zieht in die Pfarrkirche zu Geisenheim um, und dies auf Befehl von Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim (1707-1774), Erzbischof von Mainz (1763-1774). Die Gebäude in Marienthal sollen verschwinden, aber beim Abreißen ereignet sich ein schwerer Unfall und der Abriss wird eingestellt. Was im Jahr 1782 übrig bleibt, ist eine Ruine und die Gebäude erhalten nacheinander folgende Eigentümer.

Bild 8474
Votivgaben in der Wallfahrtskirche zu Marienthal

Im Jahr 1857 bietet Apollonius von Maltitz (1795-1870), Baron, Diplomat und Schriftsteller, Peter Joseph Blum (1808-1884), geboren im nahegelegenen Geisenheim, Bischof von Limburg (1842-1884), die Mittel für den Wiederaufbau von Marienthal an. Dieser Bischof ist ein großer Wohltäter und Förderer des Wallfahrtsortes Marienthal. Im Jahr 1857 kann daher die Kirche wiederhergestellt werden und das Gnadenbild kommt in die Kirche zurück. Am 8. September 1858 wird die Kirche neu geweiht und nun durch Bischof Blum. Anschließend erhält der Wallfahrtsort einen Aufschwung an Besuchern. Die Jesuiten kehren vorübergehend zurück. Aus dem Lindenbaum, der in der Ruine gewachsen ist, wird ein Bildnis der Unbefleckten Empfängnis geschnitzt und dieses wird in einer Nische des Klosters platziert.

Seit 1873 betreuen Franziskaner das Kloster mit Kirche und die Wallfahrten, aber im Jahr 1875 wird die Organisation der Franziskaner durch die Regeln des Kulturkampfes (1871-1879) aufgelöst. Im Jahr 1888 kommen die Franziskaner nach Marienthal zurück.

Die Bilder der Geheimnisse des Rosenkranzes wurden 1890 von August Franz Konrad Martin (1837-1901) aus Kiedrich geschaffen. Er entwirft auch die Kirchenfenster, die von einem unbekannten Künstler angefertigt wurden.

ABB 8471
Marienwandmalerei in der Wallfahrtskirche zu Marienthal

Im Jahr 1909 ist das Gnadenbild gekrönt worden.

Im Jahr 1951 wird die Kirche mit Beichtkapelle und Sakristei erweitert.

Der große Wallfahrtsort hinter der Wallfahrtskirche ist aus dem Jahr 1966.

ABB 8480
großer Altar und viele Bänke hinter der Wallfahrtskirche für Versammlungen großer Pilgergruppen in Marienthal
Wallfahrtsort

Marienthal gehört zu den ältesten Wallfahrtsorten in Deutschland. Seit Beginn des 14. Jahrhunderts finden hier außergewöhnliche Erhörungen von Gebeten statt.

Vor der Kirche steht ein Brunnen, der als Dank an Maria aufgestellt wurde.

In der Wallfahrtskirche steht das Gnadenbild, eine kleine Pietà.

e9b74300 f19d 4be5 af0c da7c93b68cbd
Gnadenbild in Marienthal

In der Wallfahrtskirche gibt es eine Kapelle, in der ein Altarbild mit Maria, Jesus und dem sterbenden Joseph aufgestellt ist. Viele Votivgaben zieren die Wände in der Kirche.

Es ist ein Kreuzweg angelegt worden.

Täglich werden Feiern im Marienwallfahrtsort abgehalten. Beichten ist auch jeden Tag möglich.

ERHÄLTLICHKEIT

Wenige Kilometer von der Stadt Geisenheim und dem Johannisberg mit Schloss entfernt liegt der Marienwallfahrtsort Marienthal. Dieser Wallfahrtsort ist von Weinbergen und Wäldern umgeben.

Adresse: Kloster Marienthal 1, 65366 Marienthal/Geisenheim.

Aktuelle Informationen sind unter www.marienthal.de und www.marienthal.franziskaner.de zu finden.

ERLEBNIS

Spät am Nachmittag komme ich in Marienthal an und sehe noch viele Autos auf den Parkplätzen stehen. Ein gut besuchter Wallfahrtsort ist dies sicherlich! Menschen kommen hierher für Maria und manch einer auch zum Wandern, denn in der Umgebung sind etliche Kilometer zu machen und von prächtiger Naturschönheit zu genießen.

Am Eingang des Heiligtums sehe ich ein Schild, auf dem die Feiern in der Wallfahrtskirche aufgeführt sind. Jeden Tag werden hier eine oder mehrere Zusammenkünfte abgehalten. Was für eine Organisation!

ABB 8454
Kapelle in Marienthal mit der Begegnung von Simeon, der zu Maria sagt, dass ein Schwert ihre Seele durchdringen wird

Auf dem Weg vom Parkplatz zur Wallfahrtskirche komme ich an einer Kapelle vorbei, die durch ein Gitter abgesperrt ist. Das Bild von Simeon ist zu sehen, wie er das Jesuskind hält und zu Maria sagt, dass ein Schwert durch ihre Seele dringen wird.

Im Garten, neben der Kirche, unter einem kleinen Unterstand, steht ein hellbraunes Abbild von Maria mit Kind. Bei diesem Bild wachsen Blumen und das macht das Ganze noch vollständiger. Anschließend geht es in die Wallfahrtskirche hinein. Über der offenstehenden Tür ist ein Relief angebracht mit unter anderem der Darstellung der Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria, dass Sie schwanger wird.

In der Wallfahrtskirche bin ich von der Pieta, dem Gnadenbild, beeindruckt. Maria stützt mit der rechten Hand den Kopf ihres Sohnes. Maria hat intensiven Kummer; Sie leidet beim Sehen und Fühlen ihres Kindes. Über dem Gesicht Jesu herrscht Ruhe. Dieses Bildnis spricht die Pilger an und mich auch.

BILD 8466
Gnadenbild von Marienthal

Hinten in der Kirche sehe ich einen Text mit dem Gebet von Marienthal. Er beginnt:
“Maria hier mit Ihrem Sohn,
Königin mit edler Krone,
Mutter, Schwester, Mittlerin,
die betrübte Trösterin.”

Nach dem Kirchenbesuch mache ich einen Rundgang über das große Gelände dieses Heiligtums. Ich sehe Statuen und einen großen Außenbereich für den Empfang vieler Besucher. Schließlich gehe ich wieder in die Wallfahrtskirche, um Maria für diesen Aufenthalt zu danken. Ich bin froh, hier zu Besuch zu sein, und mit Gedanken an diesen Besuch verlasse ich Marienthal.

UMGEBUNG

In und um Marienthal gibt es viele Wandermöglichkeiten, wie den Mühlen-Wanderweg entlang der Klostermühle Elsterbach, die von Jesuiten genutzt und später verpachtet wurde. Andere Wanderwege sind durch ein grünes Blatt und einen blauen Schmetterling gekennzeichnet.

Von Geisenheim nach Marienthal sind es 5 km nach Nordwesten.

Johannisberg liegt ganz in der Nähe von Marienthal, man muss nämlich 4 km nach Westen zurücklegen, um in den Marienwallfahrtsort zu gelangen.

Um von Rüdesheim am Rhein nach Marienthal zu gelangen, sind 10 km Reise nach Norden erforderlich.

Von der großen Stadt Mainz nach Marienthal bedeutet, 35 km nach Westen zu überbrücken.

Um vom Ort Boppard am Rhein anzureisen, um in Marienthal anzukommen, sind 110 km in südöstlicher Richtung zurückzulegen.

~~~

Datum der ersten Veröffentlichung: 13. August 2026
©2026 Jan van Wijk - Mariakamer.nl - Alle Rechte vorbehalten
Komm2zurweb