Geschichte
Bétharram (Lestelle) ist ein sehr alter Wallfahrtsort Unserer Lieben Frau. Über Jahrhunderte hinweg sind viele Pilger zu diesem Ort gekommen. Hier wurden viele Wunder vollbracht. So ließ der Historiker und Geistliche Pierre de Marca (1594-1662) in der Zeit von 1620 bis 1640 sage und schreibe 82 Wunder registrieren. Er ist Präsident des Parlaments von Pau (1621-1631), Intendant von Béarn (1631-1641) und später Bischof von Couserans (1641-1652), Erzbischof von Toulouse (1652-1662) und 1662 für 3 Wochen Erzbischof von Paris. In Bétharram wurden Blinde, Menschen mit Behinderungen und Schwer Kranke geheilt.

Die Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau von Bétharram wurde 1569 von Hugenotten niedergebrannt. An der Stelle der alten, zerstörten Kirche wird ein neues Gotteshaus errichtet. Dafür wird eine lange Zeit von fast einem Jahrhundert benötigt, nämlich von 1614 bis 1710.
Maria wird in Bétharram seit vielen Jahrhunderten verehrt, und zwar unter drei Namen. Hintereinander sind diese Ehrentitel Unsere Liebe Frau vom Stern, Unsere Liebe Frau vom Kalvarienberg und Unsere Liebe Frau von Bétharram. Der Titel Unsere Liebe Frau vom Stern kommt von der Entdeckung einer Marienstatue. Junge Hirten haben die Statue in einer Hecke gefunden. Maria ist ihnen auch erschienen. Das Besondere daran ist, dass die Statue von einem strahlenden Licht umgeben ist.
Der Name Unserer Lieben Frau vom Kreuzberg ist durch ein auf einem Berg platziertes Kreuz entstanden. Dieses Kreuz ragt weit über das Heiligtum von Bétharram hinaus. Im September 1616 wütet jedoch ein heftiger Sturm und das Kreuz stürzt um. Das Wunderbare ist, dass sich das Kreuz aus eigener Kraft aufgerichtet hat und dabei Licht ausstrahlt. Anschließend heißt das Heiligtum Unserer Lieben Frau vom Kreuzberg. Der beeindruckende Kreuzweg auf dem Hügel in Bétharram hat darin also seinen Ursprung. Viele Reliefs der Stationen hat der Bildhauer Joseph Alexandre Renoir (1811-1855) entworfen.
Der Titel Unserer Lieben Frau von Bétharram entstand durch eine Legende, dass Maria bei der Rettung eines Mädchens hilft. Ein Mädchen fiel in den Fluss Gave de Pau, der vor dem Heiligtum fließt. Maria rettete die Ertrinkende, indem sie ihr einen Ast reichte. Der vergebene Name ist dann Unsere Liebe Frau vom Ast. Im lokalen Dialekt, dem Béarnais, steht das Wort Ast für Beth. Arram bedeutet in der regionalen Sprache Rosenkranz. So entstand der Name Unsere Liebe Frau von Bétharram.
Im Jahr 1825 wurde der junge Priester Michel Garicoïts (1797-1863) zum Kaplan in Bétharram ernannt. Dort gründete er die Kongregation der Priester und Brüder vom Heiligen Herzen Jesu von Bétharram. Diese Organisation wird auch die Patres von Bétharram genannt. Durch das stetige Wachstum der Kongregation konnten die Patres in Afrika, Europa und Lateinamerika tätig werden. Auch sind die Mitglieder der Kongregation im Heiligen Land, in Indien und Thailand aktiv.
Der Priester ist von großer Bedeutung für das Heiligtum. Er entfaltet viele Aktivitäten für den Ausbau der Kongregation und organisiert vieles für Kinder. Er ist auch die Vertrauensperson von Bernadette Soubirous, die 1858 in Lourdes 18 Begegnungen mit Maria hat. Der unternehmungslustige Priester ist mehrmals nach Lourdes auf Wallfahrt gegangen. Michel Garicoïts stirbt am 14. Mai 1863. Am 7. Mai 1947 wurde er für seinen enormen Einsatz heiliggesprochen.
Bernadette Soubirous kommt regelmäßig nach Lestelle-Bétharram. Im Jahr 1858, kurz vor den Erscheinungen Mariens an sie, kommt sie auch ins Heiligtum. Bernadette dankt Maria für die empfangenen Gnaden. Sie kauft in Bétharram den Rosenkranz, den sie an der Grotte in Lourdes betet. Michel Garicoïts, ihr Vertrauter, glaubt sofort an die Erscheinungen Bernadetttes.
Wallfahrtsort
Im Wallfahrtsort Bétharram gibt es viel zu sehen und zu bestaunen. In der Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau sind die Kronen auf dem Bildnis von Maria und Jesus ein Geschenk von Pius X., Papst von 1903 bis 1914, geboren als Giuseppe Melchiorre Sarto (1835-1914). Dieser Papst sagt, dass er Bétharram sehr liebt. In der Kirche sind Gemälde von Bernard Denis (1652-1722) angebracht. Die Kunstwerke stellen unter anderem “die Anbetung der Hirten und der Könige”, “die Darbringung im Tempel” und “die Flucht nach Ägypten” dar. Das große Altarbild ist aus dem Jahr 1620 und stellt “die Anbetung der Hirten” dar. Auch sind Gemälde von Wundern aus dem 17. Jahrhundert zu sehen. In der Wallfahrtskirche gibt es eine Kapelle des Heiligen Michael Garicoïts. Im Reliquienschrein ist die liegende Statue des Heiligen Michael Garicoïts aufgestellt. Hier werden auch Reliquien von ihm aufbewahrt.
Der Hauptaltar ist aus dem Jahr 1620 und zeigt die Familienmitglieder von Maria.

Der ursprüngliche Kreuzweg ist von 1616, aber er wurde 1793 zerstört. Zwischen 1840 und 1845 hat Michael Garicoïts den heutigen Kreuzweg anlegen lassen. Der neue Kreuzweg zählt 15 Stationsgebäude. Der in Spanien geborene Künstler Joseph Alexandre Renoir (1811-1855) hat viele Reliefs für diesen Kreuzweg geschaffen. Von 1840 bis 1845 hält er sich in Bétharram auf.
Das Heiligtum besitzt verschiedene Monumente, welche unter Denkmalschutz fallen. In Bétharram gibt es auch ein Museum, wo Besonderheiten zu sehen sind, wie Fresken, Chorpulte und ein Kommunionschleier der späteren Königin Marie Antoinette.
Seit den Marienerscheinungen in Lourdes im Jahr 1858 ist das Interesse am Heiligtum Bétharram in Lestelle erheblich zurückgegangen. Michael Garicoïts macht sich darüber keine Gedanken, solange Maria verehrt wird.
ERHÄLTLICHKEIT

Nur 15 Kilometer westlich von Lourdes liegt Lestelle-Bétharram. Von Lourdes aus folgt man der D 937. Es ist auch möglich, auf der Autobahn die Ausfahrt Pau zu nehmen und dann zuerst in Richtung Nay zu fahren und anschließend die Straße nach Lestelle-Bétharram einzufahren.
Adresse
Sanctuarium von Bétharram,
Place Saint-Michel,
F 64800 Lestelle-Bétharram
Webseiten: www.betharram.fr und www.lestelle-betharram.fr. Diese Quellen geben auch aktuelle Informationen.
ERLEBNIS
In der Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau bin ich von allem beeindruckt, was es zu sehen gibt. Wie schön ist es hier. In der Kirche gehe ich zum Hochaltar. Ich sehe Bilder von Maria und ihren Eltern Anna und Joachim. Es gibt auch Bilder von Elisabeth und Zacharias, den Eltern von Johannes dem Täufer. Lange stehe ich beim Retabel von 1620, auf dem die Erscheinung Mariens vor Hirten dargestellt ist. Auch sechs alte Gemälde erregen meine Aufmerksamkeit. Einige Wunder von hier sind darauf bildlich dargestellt. Besonders schön finde ich das Bild “Notre-Dame de Bétharram”, das 1845 von Alexander Renoir geschaffen wurde. Das Bild ist aus weißem Marmor und zeigt Maria und das kleine Jesuskind, die beide eine goldene Krone tragen.
In der Kapelle des Heiligen Michael Garicoïts sehe ich eine große Reliquienkammer. Darin liegt die Statue des Gründers der Kongregation. Auch werden in der Vitrine einige Reliquien von ihm aufbewahrt, aber diese kann ich nicht sehen; die Kammer ist auch so hoch angebracht.
Meine Augen fallen auf das Schmiedeeisengitter. In diesem Gitter sind einige Tugenden eingearbeitet, wie ein Löwe für die Stärke, ein Korb mit Obst für die Nächstenliebe und ein Schiffanker für die Hoffnung.
Bevor ich die Kirche verlasse, kaufe ich noch einige Andachtsbilder. Danach gehe ich zum Kreuzweg auf dem Berg und erfahre, dass die ehemalige Route mit Stationen zerstört ist. Während der Revolution von 1793 ist dies geschehen. Den jetzigen Kreuzweg finde ich prächtig und dies sowohl wegen der Lage als auch wegen der Stationen. Die am Berghang gelegenen 15 meisterhaft gemachten weißen Haltestellen ragen hoch über die Kirche hinaus. Wie hat sich Renoir in seinen meisterhaften Werken austoben können. Insbesondere zieht mich am meisten die Station von Unserer Lieben Frau vom Kalvarienberg an. Viele Stationen wurden in der Periode 2018-2020 restauriert.
Der Besuch dieser Heiligtümer ist für mich eine enorme Bereicherung. Wie gut tut es mir, die Marienandacht hier erleben zu dürfen.
~~~











